Wirtschaft : Terroranschläge belasten die Allianz

hop/kwi

Die Allianz AG leidet stark unter den Nachwirkungen der Anschläge vom 11. September. Der Versicherungskonzern rutschte im dritten Quartal in die roten Zahlen und weist einen Nachsteuerverlust von 46,3 Millionen Euro aus. Allianz-Vorstand Helmut Perlet stellte am Mittwoch in München die aktuellen Geschäftszahlen vor. Danach rechnet der Konzern inzwischen mit einem Schadenaufwand von 1,5 Miliarden Euro allein in Folge der Terrorakte in den USA und erhöhte damit seine letzten Schätzungen um weitere 500 Millionen Euro. Der Versicherer ist jedoch optmistisch, die im September reduzierten Prognosen einhalten zu können und einen Jahresüberschuss von 1,7 Milliarden Euro zu erzielen. Die im Sommer übernommene Dresdner Bank steuerte im Rahmen der Erstkonsolodierung 314 Millionen Euro bei.

Die Allianz ist der größte Versicherer weltweit. Die schwachen Kapitalmärkte haben den Konzern stark getroffen. Im Frühjahr hatte die Allianz für das Jahr 2000 noch einen um steuerliche Sondereffekte bereinigten Rekordüberschuss von 2,4 Milliarden Euro ausweisen können. Der Versicherer hatte vor allem von hohen Börsenkursen und einer großen Nachfrage nach Lebensversicherungen profitiert. Für das Jahr 2001 ging das Unternehmen zunächst von einer weiteren Steigerung um 13 Prozent aus. Noch im August bekräftigte die Allianz ihre Prognosen. Nach den Anschlägen von New York senkte der Konzern jedoch bis Ende September zweimal seine Schätzungen.

In den ersten neun Monaten 2001 stiegen die Beitragseinnahmen der Allianz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 54,9 Milliarden Euro. Der Überschuss erreichte 1,3 Milliarden Euro. Vergleichszahlen wurden nicht genannt, da die Allianz bisher für die meisten Bereiche nur Halbjahresberichte vorlegte und erst in diesem Jahr auf Quartalsberichterstattung umstellt. Allerdings lag allein im ersten Halbjahr 2000 der Überschuss - wegen guter Börsenerträge - über 1,5 Millarden Euro.

Schadenversicherungen sind gefragt

Besonders stark konnte das Geschäft in den ersten neun Monaten 2001 im Bereich Schaden- und Unfallversicherung zulegen. Dort stiegen die Prämieneinnahmen konzernweit um 8,7 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Durch die Anschläge in den USA stieg die Schadenquote auf 80,9 Prozent. Ohne diese Sonderbelastung wäre die Quote mit 75 Prozent jedoch um 2,9 Prozentpunkte besser gewesen als im Vorjahr. Etwas geringer als bei Schaden- und Unfallversicherung fiel das Plus bei den Beiträgen für Lebens- und Krankenversicherungen aus. Die stiegen um 7,1 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro. Besonders anlageorientierte Produkte hätten sich gut verkauft.

"Die Ergebnisse reißen mich nicht vom Hocker", sagt Carsten Zielke, Analyst für Versicherungs-Titel bei der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf. "Sie fallen zwar etwas besser aus, als erwartet. Doch die Qualität des Ergebnisses ist nicht überzeugend." Nach Angaben des Analysten ist dies vor allem auf finanzielle Transaktionen zurückzuführen. "Die Allianz hat Bond-Rückzahlungen gehedgt, das heißt, sie können heute schon die Gewinne verbuchen, die sie eigentlich erst in der Zukunft machen." Zudem habe der Versicherungskonzern viele Anlagen der Dresdner Bank verkauft. Wegen der Finanztransaktionen hält Zielke es für realistisch, dass die Allianz ihre Jahresprognose erreicht. An den Börsen wurden die Zahlen ebenfalls verhalten aufgenommen. Der Kurs der Allianz-Aktie brach zwischenzeitlich um rund acht Euro auf 270 Euro ein und konnte sich danach im Nachmittagshandel nur leicht erholen.

Gewinneinbruch bei Dresdner Bank

Die Dresdner Bank, die in diesem Quartal erstmals in der Allianz-Bilanz konsolidiert wurde, leidet ebenso wie der Mutterkonzern unter der schwachen Weltkonjunktur. Laut einem am Mittwoch in Frankfurt am Main veröffentlichten Zwischenbericht brachen die Gewinne der Bank im dritten Quartal 2001 auf 43 Millionen Euro vor Steuern ein. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 205 Millionen Euro gewesen. Zurückhaltend waren auch die Aussichten für das vierte Quartal 2001. Erst im Laufe des kommenden Jahres rechnet die Dresdner Bank mit einer Aufhellung der Lage. Die Allianz hat ihren Anteil an der Dresdner Bank inzwischen stark ausgebaut. Im Zusammenhang mit dem öffentlichen Übernahmeangebot vom Frühsommer und anschließenden Zukäufen bis zum 30. September hat die Allianz 56,9 Prozent der Aktien erworben und besitzt zusammen mit älteren Positionen 77,7 Prozent an der Dresdner. Durch Termingeschäfte wird der Anteil im Laufe des kommenden Jahres weiter um rund 20 Prozent steigen.

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