Wirtschaft : Terrorwarnung verunsichert die Börse

Benzin und Öl sind nicht mehr weit von ihren Rekordpreisen entfernt, der Euro klettert – darunter leiden die Aktienkurse

Bernd Hops

Berlin - Die Angst vor Anschlägen ist an die Finanzmärkte zurückgekehrt. Nach der jüngsten Warnung der US-Regierung vor möglichen Terrorakten kletterte der Ölpreis. An deutschen Tankstellen drohen beim Benzin wieder die Rekordpreise vom vergangenen Mai. Auch der Euro legte am Freitag wieder gegenüber dem US-Dollar zu. Eine stärkere Gemeinschaftswährung könnte den deutschen Export belasten ( siehe Kasten ). Die Börsen verbuchten Rückschläge. Erst positive Zahlen des US-Technologiekonzerns General Electric und die Beteuerung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), auf jeden Fall die Förderung wie angekündigt erhöhen zu wollen, konnten die Stimmung etwas heben.

Zum Handelsschluss notierte der Deutsche Aktienindex bei 3924,5 Punkten. Das Minus betrug 0,25 Prozent. Am Vormittag hatte es aber bei rund 1,2 Prozent gelegen. Die US-Börsen eröffneten – nach den kräftigen Verlusten von Donnerstagabend – fester. Der Euro lag zwischenzeitlich über der Marke von 1,24 Dollar – der höchste Stand seit einem Monat.

Der Ölpreis kletterte kräftig. Während ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent am Donnerstagmittag in London noch für rund 36,70 Dollar zu haben war, kostete es Freitagabend schon 37,54 Dollar. Helmut Buchmann, Ölmarktexperte vom Fachdienst Oil Market Report (OMR), sagte dem Tagesspiegel, für den Anstieg seien vor allem spekulative Käufe von US-Investmentfonds verantwortlich. Es sei aber auch möglich, dass „die Fonds in zwei, drei Wochen wieder aus dem Markt gehen“ – sollte der Preisanstieg wieder ins Stocken geraten.

Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sagte allerdings, der Verweis auf die Terrorwarnung und US-Fonds sei „etwas unbefriedigend“. Sie könne die aktuellen Preissteigerungen „nicht mehr verstehen“, weil es eine Reihe von guten Nachrichten gebe. So habe die Krise beim russischen Ölkonzern Jukos bisher nicht die Ölförderung beeinträchtigt, die Streiks in Nigeria seien zu Ende und die Ausfuhr aus dem Irak sei wieder hergestellt worden. Außerdem seien die Benzin- und Ölvorräte in den USA, die zuletzt immer wieder für Unsicherheit gesorgt hatten, höher als erwartet. „Es gibt also viele Gründe für sinkende Preise“, sagte Meyer-Bukow.

Deshalb dürfte der Ölpreis die Finanzmärkte auch nicht allzu lange belasten. „Das sollte sich nicht so weiter fortsetzen“, sagte Tammo Greetfeld, Marktexperte der Hypo-Vereinsbank, dem Tagesspiegel. Auch die negativen Wirkungen des starken Euro auf die Unternehmensgewinne dürften geringer werden, weil sich die Aufwertung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar verlangsamt habe. Trotzdem sei an den Börsen in den nächsten Monaten mehr oder weniger mit Stillstand zu rechnen. Beim Dax sei zwar „nach unten noch etwas Spielraum“, es sei aber eher unwahrscheinlich, dass der Index weit unter 3800 Punkte fallen wird, sagte Greetfeld. Lebendig dürften die Börsen wieder ab Oktober werden, weil bis dahin unter anderem klar werde, dass die Zinserhöhungen in den USA „das Wachstum und den Gewinntrend nur moderat belasten werden“. Deshalb rechne er beim Dax mit 4250 Punkten zum Jahresende, sagte Greetfeld.

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