Test : Nur barfuß ist besser

26.09.2008 00:00 UhrVon Sven Goldmann

Der erste Eindruck beim Befühlen des Adizero CS: sehr harte Ferse. Sven Goldmann testet Weltrekord-Turnschuhe

Zur Einleitung des folgenden Erfahrungsberichts erlaubt es sich der Testläufer, an einen vergessenen Helden der Neuzeit zu erinnern: an Abebe Bikila, der das Laufen im äthiopischen Hochland gelernt hat. Als er 1960 in Rom die finalen Meter zum olympischen Marathon-Gold lief, trug er an den Füßen – zero, nada, niente, nichts!

Der Abebe Bikila der noch neueren Neuzeit heißt Haile Gebrselassie, kommt ebenfalls aus Äthiopien, und wenn er am kommenden Sonntag beim Berlin-Marathon antritt zur Verbesserung seines Weltrekords, wird er nur geringfügig mehr tragen als nichts, nämlich die 210 Gramm des Adizero CS (nada, niente, nichts!).

Beim Hersteller Adidas im fränkischen Hochland von Herzogenaurach legen sie Wert darauf, dass Gebrselassie eingebunden war in die Entwicklung des Schuhs, den Otto Normalläufer für 110 Euro im Sportgeschäft seines Vertrauens erwerben kann.

Der hier schreibende Testläufer gibt gern zu, dass er nicht viel hält von der riesig großen Laufschuhindustrie mit ihren immer ausgefeilteren Stütz- und Dämpfungssystemen. Er unterstellt willkürlich und pauschal, dass sich die Entwicklungshilfe der Spitzenläufer vor allem auf die Bereitstellung ihres bekannten Namens reduziert. Warum sollte einer wie Haile Gebrselassie auf technologischen Schnickschnack angewiesen sein, wo er doch aus dem äthiopischen Hochland ganz anderes gewohnt ist?

Der Schuh ist, typisch Adidas, eng geschnitten

Der Testläufer läuft am liebsten barfuß am Strand. Weil das selbst im Alltag der Strandbar-Metropole Berlin so einfach nicht ist, zieht er gern einen aufs Nötigste reduzierten Schuh an, der ihm immerhin die Illusion des Barfußlaufs vermittelt.

Der erste Eindruck beim Befühlen des Adizero CS: sehr harte Ferse. Das dauert bestimmt keine zehn Minuten bis zur ersten Blutblase, ist er sich sicher. Der Schuh ist, typisch Adidas, eng geschnitten. Wenige Tage vor dem Berlin-Marathon stürzt sich der Testläufer in den großstädtischen Asphalt, erst vorsichtig, dann etwas mutiger, als er merkt, dass keine ungebetenen Stütz- und Dämpfungssysteme das pure Laufvergnügen beeinträchtigen. Schnell erwärmt sich der Ballen, dennoch ist auch nach einer halben Stunde wenig Schweiß zu spüren. Die Ableitung der Feuchtigkeit funktioniert so gut, dass sich auch nach einer Stunde nicht die sonst bei jedem neuen Laufschuh obligatorischen Blasen bilden. Der Testläufer gesteht sich ein, dass die Ferse des Schuhs nicht hart, sondern einfach nur stabil ist. Dass ihn der Schuh fordert und nicht in Bequemlichkeit versinken lässt. Dass er noch eine Viertelstunde dranhängt, obwohl er doch aufhören müsste, weil dieser Testbericht noch schnell geschrieben werden muss. Der Testläufer gibt zu, dass ihm der Schuh gefällt.

Aber barfuß, am Strand, ist es noch schöner.

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