Wirtschaft : Teure Abgänge

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Berlin (pet). Eines steht schon vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung der Deutschen Telekom am Dienstag fest: Sollte Telekom-Chef Ron Sommer tatsächlich vom Führungssessel gestoßen werden, dann wird er weich fallen.

„Es sieht gut aus für Sommer“, sagt der Düsseldorfer Personalberater Eberhard von Rundstedt. „Wenn er gehen muss, werden immer noch genügend Leute sagen: Alles in allem hat er einen guten Job gemacht.“ Und wer einen guten Job macht, hat in der Regel Anspruch auf eine stattliche „Anerkennungsprämie“. Rundstedt geht davon aus, dass Sommer auch auf jeden Fall die Ansprüche aus seinem laufenden Vertrag voll ausbezahlt bekommt. Der Vertrag des Telekom-Chefs läuft noch bis zum Jahr 2005, über die genaue Höhe des Gehalts ist allerdings nichts bekannt. Hinzu käme im Falle der vorzeitigen Vertragsablösung bei Top-Managern üblicherweise ein „Schmerzensgeld oder ein Ausgleich für den verlorenen Status“, sagt Rundstedt. Das könnte die Abschiedsgabe an Sommer noch einmal um „ein bis zwei Jahresgehälter“ aufstocken. Wenn zudem der Zeitdruck groß sei, einen Manager abzulösen - bei Sommer ist das zweifellos der Fall – würde auch das seine Chance, hoch abgefunden zu werden, noch einmal deutlich erhöhen. Ob der Telekom-Chef damit an Klaus Esser herankommt, mag der Personalberater nicht voraussagen. Der frühere MannesmannChef hatte nach der verlorenen Übernahmeschlacht gegen den Telekommunikationskonzern Vodafone vor zwei Jahren insgesamt 60,5 Millionen Mark kassiert. Der Verdacht, die Rekordabfindung sei in Wirklichkeit ein Bestechungsgeld gewesen, hält sich allerdings bis heute. Deutlich weniger, aber immer noch genug Geld hat der frühere BMW-Manager Bernd Pischetsrieder als Abfindung erhalten, der über Milliardenverluste bei der britischen BMW-Tochter Rover stolperte. Als Ausgleich dafür, dass er seinen Vorstandsposten 50 Monate früher als geplant räumte, erhielt er vor drei Jahren rund 15 Millionen Mark. Ähnlich wie bei Sommer war auch sein Vertrag erst kurz vor dem Abgang um fünf Jahre verlängert worden. Die Höhe seiner Abfindung errechnete sich auf Grundlage seines Jahresgehaltes von 3,5 Millionen Mark (ohne Tantiemen für Aufsichtsratsmandate und sonstige Nebeneinkünfte). Unwesentlich mehr – 16,7 Millionen Mark – erhielt auch der frühere „Bild“-Chef Günter Prinz, als er von Springer zum Burda-Verlag wechselte. Das ist allerdings schon 15 Jahre her. Noch kräftiger als die deutschen Führungskräfte räumen die US-Kollegen ab. Den Spitzenplatz auf der nach oben offenen Abfindungsskala hält Frank Newman, der frühere Chef des Bankers Trust. Nach der Übernahme durch die Deutsche Bank im Sommer 1999 soll er rund 100 Millionen Mark erhalten haben. Egal, wer kassiert, die Rechnung für die großzügigen Abschiedsgeschenke wird immer an die gleiche Adresse geschickt: „Letztendlich zahlen das alles die Aktionäre“, sagt Rundstedt.

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