Wirtschaft : Teure Chefs

Volkswagen hat die größten Gehaltsunterschiede aller Dax-Konzerne. Bei den Banken ist das anders.

Fritz Zimmermann
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender bei VW, ist in der Bundesrepublik Spitze: Im vergangenen Jahr verdiente er 14,5 Millionen Euro. Foto: dpa
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender bei VW, ist in der Bundesrepublik Spitze: Im vergangenen Jahr verdiente er 14,5 Millionen...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - 170 Mal das Jahresgehalt eines Angestellten – auch Vorstandsmitglieder bei Volkswagen bräuchten wohl einen Taschenrechner, um sich ihr Jahresgehalt selbst auszurechnen. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte am Montag eine Studie mit den durchschnittlichen Gehaltsunterschieden zwischen Vorständen und Angestellten in sämtlichen Dax-Unternehmen im Jahr 2011: Bei Volkswagen waren diese Unterschiede am höchsten. Im Durchschnitt verdienten Vorstandsmitglieder in den Dax-Konzernen 53 Mal mehr als ein durchschnittlicher Angestellter in ihrem Unternehmen. Im Vergleich zum Jahr 2005 sind die Unterschiede in 19 von 25 damals bereits im Dax notierten Unternehmen größer geworden. „Vorstandsvergütungen, die das 53-fache eines qualifizierten Arbeitnehmers überschreiten, haben mit Leistung oder Verantwortung nicht mehr viel zu tun. Das sind Statussymbole geworden“, kritisierte Dietmar Hexel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), diese Entwicklung.

Allerdings unterscheiden sich die Ergebnisse der einzelnen Unternehmen erheblich: So zahlt zum Beispiel die Commerzbank ihren Vorständen nur zwölf Mal mehr als ihrem durchschnittlichen Angestellten – und hat damit die geringsten Abstände in ihrem Gehaltsgefüge. Das Frankfurter Bankhaus musste im Zuge der staatlichen Hilfen während der Finanzkrise seine Vorstandgehälter deckeln: Von allen 30 Dax-Konzernen erhielten die Vorstände hier mit 800 000 Euro am wenigsten. Grundsätzlich sind die Gehälter der Angestellten bei Banken deutlich höher als in anderen Branchen: So hatte die Deutsche Bank mit 128 000 Euro das höchste Durchschnittseinkommen unter ihren Beschäftigten. Ihre Vorstandsmitglieder verdienten das 34-fache dieser Summe. Damit hat die Deutsche Bank zwar einen der geringsten Gehaltsunterschiede von allen Dax-Konzernen – das allein sagt jedoch nichts über die Vorstandsgehälter aus. Interessant sind bei der Deutschen Bank zudem die Entwicklungen der vergangenen Jahre: Im Jahr 2005, vor der Finanzkrise, verdienten die Vorstände noch das 42-fache ihrer Belegschaft; 2008, in der Finanzkrise, war es nur noch das Zehnfache. Für das Jahr 2011 nun errechnete die Stiftung einen Anstieg auf das 34-fache der Durchschnittsgehälter. Damit wurde fast wieder der Vorkrisenwert erreicht.

Das niedrigste Durchschnittsgehalt aller 30 Dax-Konzerne zahlte seinen Beschäftigten laut Studie der Handelskonzern Metro: 25 000 Euro erhielten die Mitarbeiter durchschnittlich im Jahr 2011 – die Vorstände erhielten gleichzeitig gut drei Millionen Euro. Am meisten verdienten Vorstände mit durchschnittlich neun Millionen Euro bei VW. Damit hat das Unternehmen nicht nur die höchsten Gehaltsunterschiede, sondern zahlt auch die höchsten Vorstandsgehälter. Doch was sagen diese Ergebnisse aus? Sind große Unterschiede ein Problem?

Sebastian Sick von der Hans-Böckler-Stiftung ist sich da selbst nicht so sicher: Es sei schwierig, eine allgemeine Antwort zu geben. Schließlich weise VW zwar die höchsten Unterschiede auf, „gleichwohl geht es den Beschäftigen dort nicht so richtig schlecht.“ Zudem sei auch die Anzahl der im Ausland Beschäftigten ein Faktor. Denn für die Erhebung wurden die im Konzernbericht vermerkten weltweiten Ausgaben der Konzerne für ihre Mitarbeiter ausgewertet. Bei Adidas zum Beispiel sind die Gehaltsunterschiede mit am höchsten: Seit 2008 haben sie sich fast verdoppelt. Doch das Unternehmen verdoppelte auch seine Mitarbeiterzahl auf heute über 46 000 – nur ein Bruchteil davon arbeitet aber in Deutschland. Man habe die Zahl der eigenen Läden massiv ausgebaut, sagte eine Sprecherin. Der Großteil dieser Läden ist in aufstrebenden Märkten, wo den Mitarbeitern deutlich geringere Löhne gezahlt würden.

Dennoch fordert der DGB eine Koppelung der Vorstandsgehälter an Unternehmenserfolge und Arbeitnehmergehälter. Diese solle vom jeweiligen Aufsichtsrat festgelegt werden. Von einem VW-Sprecher hieß es am Montag zu den großen Gehaltsunterschieden: 2011 sei für das Unternehmen eben ein herausragendes Geschäftsjahr gewesen. Entsprechend hoch fiel die Vorstandsvergütung aus.

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