Wirtschaft : Teure Kredite bremsen den Aufschwung

Goldman Sachs: Kapitalkosten werden um 20 Prozent steigen/Banken wollen Konditionen stabil halten

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Berlin (mot). Die Kapitalkosten deutscher Unternehmen werden in Zukunft drastisch steigen und das Wirtschaftswachstum merklich schwächen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Nach Einschätzung der Experten wird die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren dabei deutlich langsamer wachsen als andere europäische Volkswirtschaften.

Der Grund: Die Unternehmen konnten in der Vergangenheit preiswerter Kredite aufnehmen als ihre europäischen Wettbewerber, und haben diese häufig in unrentable Projekte investiert. Der hohe Kapitalstock mit niedriger Rentabilität muss nun zu Lasten der Investitionen abgebaut werden, weil die Unternehmen nicht auf Dauer mit preiswerten Krediten rechnen können. „Die Kapitalkosten werden um 20 Prozent klettern und das Wirtschaftswachstum in den kommenden sieben Jahren kumuliert um fünf Prozent abschwächen“, sagte Dirk Schumacher, einer der Autoren der Studie.

Goldman Sachs begründet die bisher niedrigen Kapitalkosten mit den Besonderheiten des deutschen Bankensystems, das niedrige Margen und eine vergleichsweise schlechte Eigenkapitalrentabilität (siehe Lexikon) gefördert habe. Vor allem die starke Marktstellung nicht gewinnorientierter öffentlich-rechtlicher Banken habe das Kostenniveau gedrückt. Da Sparkassen und Landesbanken keine Gewinne erwirtschaften müssten und durch eine Staatsgarantie günstigere Finanzierungskonditionen genössen, könnten sie Kredite zu besonders niedrigen Konditionen bieten und zwängen die privaten Banken, dies ebenfalls zu tun, um im Geschäft zu bleiben.

Zu viele unrentable Investitionen

„Wenn Kapital preiswert zu haben ist, dann macht es Sinn, viel davon zu kaufen“, schreiben die Goldman-Sachs-Volkswirte. Dies habe aber dazu geführt, dass deutsche Unternehmen in überdurchschnittlich viele unrentable Projekte investiert hätten. Entsprechend gering sei die Profitabilität des eingesetzten Kapitals ausgefallen. „Unsere Aktienstrategen gehen davon aus, dass die Kapitalkosten im internationalen Durchschnitt etwa zwölf Prozent betragen. In Deutschland lagen sie in den letzten dreißig Jahre bei – konservativ geschätzt – maximal zehn Prozent“, schreibt Goldman Sachs. Auf Seiten der Banken habe dies ebenfalls zu einer niedrigen Profitabilität geführt. Die Eigenkapitalrendite deutscher Geldhäuser habe in den vergangenen zehn Jahren bei weniger als fünf Prozent gelegen, verglichen mit zwölf Prozent im übrigen Euroland und 15 Prozent in Großbritannien.

Im öffentlichen Bankensektor werden sich nach Einschätzung von Goldman Sachs nach dem von der EU verordneten Wegfall der Staatsgarantie die Kreditkonditionen verschlechtern. Hinzu komme die veränderte Risikoorientierung aller Banken im Zuge von Basel II, also den neuen Eigenkapitalregeln, die vorschreiben, dass die Banken stärker auf die Bonität ihrer Kunden achten müssen, wenn sie Kredite vergeben. Auch dies werde die Kapitalkosten der Unternehmen anheben.

Diese Einschätzung wird indes weder von den privaten Banken noch von den Sparkassen geteilt. „Es ist nicht in jedem Fall so, dass sich die Konditionen für die Unternehmen verschlechtern werden, wenn der Wettbewerb im Bankensektor schärfer wird“, sagte Heiner Herkenhoff, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken. Die Banken seien ihrerseits dabei, Kosten zu senken und neue Ertragsfelder zu erschließen, um auch in Zukunft günstige Kreditkonditionen anbieten zu können. Mit Blick auf die Sparkassen und Landesbanken forderte Herkenhoff eine Öffnung des Bankensystems für Fusionen zwischen Privaten und Öffentlichen. „Der Staatsanteil im Bankensektor ist mit 50 Prozent zu hoch“, sagte er. Die Hälfte des Marktes sei „aus dem Wettbewerb genommen“.

Stefan Marotzke, Sprecher des Deutschen Sparkassen und Giroverbands wies den Vorwurf zurück. „Die Sparkassen haben immer voll im Wettbewerb gestanden.“ Kein Institut in Deutschland habe jemals Kapital von seinen öffentlichen Gewährträgern erhalten. Mit dem Wegfall der Staatsgarantien würden sich die Kreditkonditionen nicht verschlechtern. Es sei sogar eher mit einer Verbesserung zu rechnen, weil die Sparkassen Risiken künftig genauer abschätzen könnten.

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