Wirtschaft : Teure Lebensmittel

Preise für Getreide und Fleisch könnten um 20 bis 30 Prozent steigen

Niedlich aber teuer. Schweinefleisch kostet im laufenden Jahrzehnt preisbereinigt gut zehn Prozent mehr als im vergangenen – genau wie Fisch und Käse. Foto: dpa
Niedlich aber teuer. Schweinefleisch kostet im laufenden Jahrzehnt preisbereinigt gut zehn Prozent mehr als im vergangenen – genau...Foto: dpa

Paris/Berlin - Wegen steigender Löhne in den Schwellenländern und zunehmender Nachfrage nach Biosprit werden die Lebensmittelpreise im nächsten Jahrzehnt weiter hoch und unberechenbar sein. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) hervor. Die zu Jahresbeginn extrem hohen Preise würden zwar wieder sinken. Langfristig jedoch könnten die Getreidepreise um bis zu 20 Prozent steigen, die für Fleisch sogar um bis zu 30 Prozent, heißt es.

Der „landwirtschaftliche Ausblick 2011 bis 2020“ macht eher den angespannten Markt als Spekulationen für die zunehmenden Preisschwankungen verantwortlich. Die hohen Lebensmittelpreise hatten Verbraucher weltweit in den vergangenen Jahren hart getroffen und in einigen Ländern soziale Unruhen hervorgerufen.

Dem Bericht zufolge werden höhere Energiepreise sowie begrenzte Bodenvorkommen und Wasserressourcen zu Gewinn- und Produktionsrückgängen führen, während das Bevölkerungswachstum und steigende Löhne in Schwellenländern wie China und Indien die Nachfrage ankurbeln werden. Angesichts geringer Vorräte und anhaltender Nachfrage könnten wetterbedingte Schwankungen bei der Getreideernte in Zukunft noch stärker zu Preisschwankungen führen, warnten FAO und OECD.

Fisch, Schwein und Käse werden nach Einschätzung der beiden Organisationen in diesem Jahrzehnt preisbereinigt zehn Prozent teurer sein als in der vergangenen Dekade. Reis wird demnach um 15 Prozent teurer, Mais, Zucker und pflanzliche Öle um 20 Prozent, Geflügel um 30 Prozent und Butter um fast 50 Prozent. Weltweit wird die landwirtschaftliche Produktion in diesem Jahrzehnt im Durchschnitt nur noch um 1,7 Prozent pro Jahr steigen – im vergangenen Jahrzehnt waren es dagegen noch 2,6 Prozent.

Die Landwirtschaftsminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) wollen kommende Woche in Paris Maßnahmen für eine größere Transparenz und Regulierung der Rohstoffmärkte vereinbaren. Eine internationale Datenbank soll dabei helfen, die Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln einzudämmen. Das geht aus dem Entwurf der Erklärung des Ministertreffens hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Außerdem wollen die Minister die Regierungen auffordern, die entsprechenden Derivatemärkte stärker zu regulieren. Die Politik hatte wiederholt die Spekulanten für die stark schwankenden NahrungsmittelPreise verantwortlich gemacht.

Dem Entwurf zufolge soll die neu einzurichtende Datenbank den Namen Agricultural Market Information System (Amis) tragen und bei der Welternährungsorganisation FAO in Rom angesiedelt werden. Zunächst würden Marktdaten über Weizen, Mais, Sojabohnen und Reis erfasst werden, später sei eine Ausweitung auf andere Lebensmittel geplant. Auch Nicht-G-20-Staaten und der Privatsektor seien aufgefordert, daran teilzunehmen.

Die Datenbank soll es Marktteilnehmern und Regulierungsbehörden ermöglichen, mehr Informationen über die Fundamentaldaten der physischen Märkte zu erhalten. „Transparenz auf den physischen Märkten ist wichtig für die Derivatemärkte“, hieß es in dem Papier. „Aber das gilt auch umgekehrt.“ Die Datenbank wäre ein Erfolg für Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der sich für eine solche Institution starkgemacht hat. Allgemein hat die Regierung in Paris angekündigt, während ihrer G-20-Präsidentschaft eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte voranzutreiben.

Die G-20-Minister wollen dem Text zufolge auch ein Pilotprojekt für die Schaffung von Lebensmittel-Notfallreserven fördern. Außerdem sollen die Steuern auf Nahrungsspenden abgeschafft und landwirtschaftliche Satellitendaten leichter zugänglich gemacht werden. Die Minister treffen sich vom 22. bis 23. Juni in Paris. AFP/rtr/brö

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