Wirtschaft : Teure neue Pillen

Cordula Eubel

Bei Medikamenten sagt der Preis nichts über die Qualität. Weil Mediziner aber häufig lieber zu neuen, teureren Arzneien greifen, steigen Jahr für Jahr die Ausgaben der Krankenkassen – ohne dass sich die Versorgung der Patienten verbessert. Experten rechnen damit, dass die Kassen 2005 rund 1,4 Milliarden Euro zusätzlich für Arzneien ausgeben werden.

Der Pharmakologe Ulrich Schwabe beschreibt im aktuellen Arzneiversorgungsreport, wie die Konzerne die Preise für Insulinpräparate in die Höhe treiben. So planten die Hersteller, inhalierbare Insuline einzuführen, die aber keine Vorteile in der Diabeteseinstellung hätten. Sie seien aber dreifach teurer als die injizierbaren Insuline. Wenn nun ein Drittel der Verordnungen auf die neuen Präparate umgestellt würden, stiegen die Kosten für die Kassen um eine Milliarde Euro.

Durch die Verordnungspraxis und andere Einflussfaktoren sind die Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr nach Angaben der Kassen um rund 20 Prozent gestiegen. Letztlich zahlt die Rechnung der Versicherte. Sollte sich der Anstieg im zweiten Halbjahr so fortsetzen, belastet das die gesetzliche Krankenversicherung mit schätzungsweise vier Milliarden Euro zusätzlich, das entspricht 0,4 Beitragssatzpunkten. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass für alle gesetzlich Versicherten im nächsten Jahr die Krankenkassenbeiträge steigen werden, aber Beitragssenkungen sind damit für viele Versicherte in weite Ferne gerückt.

erklärt, warum Arzneimittel nicht immer ihren Preis wert sind

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