Wirtschaft : Teure Ostern für Autofahrer

Der Druck auf die Mineralölkonzerne steigt, die Benzinpreise weiter zu erhöhen / Kerosinzuschläge bei Fluglinien bleiben stabil

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Berlin - Kurz vor den Osterferien steigt der Druck auf die Mineralölkonzerne, die Benzinpreise weiter zu erhöhen. Bereits am Freitag war der Benzinpreis auf ein neues Jahreshoch gestiegen: Super kostete 1,32 Euro pro Liter im Bundesschnitt, wie der Hamburger Energie-Informationsdienst (EID) mitteilte. Bisher lag das Jahreshoch bei 1,31 Euro am 30. März. Zu Ostern drohen jetzt weitere Preisschritte. Denn den Tankstellenbetreibern machen die steigenden Preise am Benzinmarkt zu schaffen. Seit dem 23. März hat der Preis pro Tonne am Benzinmarkt in Rotterdam von knapp 600 auf derzeit 667 Dollar angezogen. „Der Preisanstieg konnte bislang an den Verbraucher nicht voll weiter gegeben werden“, sagte sagte Rainer Winzenried, Sprecher von Shell in Deutschland, dem Tagesspiegel. Eine Entwicklungsprognose für die nächste Woche konnte Winzenried nicht abgeben. „Ich kann keine Aussage über künftige Preise machen“. Allerdings bezeichnete er die derzeitigen Gewinnmargen für das Unternehmen als unbefriedigend.

Für Shell sind Preiserhöhungen jedoch nicht unproblematisch, denn das Unternehmen steht in Deutschland in einem harten Konkurrenzkampf zum Marktführer Aral. Dessen Firmenchef Walter Clements hatte angekündigt, bis Jahresende den Marktanteil ausbauen zu wollen. Auch Shell hat eine Spitzenposition auf dem deutschen Markt zum Ziel erklärt.

Insgesamt teilen sich hierzulande etwa 15 000 Tankstellen den Markt. „Die Marktstellung behauptet sich über den Benzinpreis, nicht über die schönen Produkte in den Läden“, sagte Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband. Preiserhöhungen setzten sich sofort in Absatzverluste um.

„Hätten wir nicht den starken Wettbewerb, hätten wir noch höhere Preise“, sagte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst. Wesentlichen Einfluss auf die Preissteigerung hat der seit drei Wochen beständig kletternde Ölpreis, der am Freitagabend in New York bei knapp 67 Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter) lag.

Weiterhin bestehen am Rohölmarkt Sorgen wegen der Iran-Krise. Außerdem ist in Nigeria die Erdölförderung wegen anhaltender Unruhen noch immer um ein Viertel eingeschränkt. Doch der Erdölpreis ist nicht allein die entscheidende Größe bei der Kostensteigerung. Denn während der Rohölpreis seit Anfang März um sieben Prozent gestiegen ist, kletterte der Preis für Euro Super in Rotterdam im gleichen Zeitraum um 23 Prozent.

Starken Einfluss haben Entwicklungen in den USA. Dort erwarten Experten mit Beginn der traditionellen „Driving Season“ eine Benzinknappheit. Sobald der Frühling einsetzt, steigen die Amerikaner öfter in ihr Auto und verbrauchen dementsprechend mehr. Diesen Verbrauch können die USA nicht durch die Produktion in eigenen Raffinerien decken. Viele US-Raffinerien erfüllen nur langsam die verschärften staatlichen Umweltschutzvorschriften, manche dürfen deshalb nicht mehr produzieren. Etwa ein Zehntel des Bedarfs von jährlich 400 Millionen Tonnen müssen die USA deshalb durch Zukäufe im Ausland decken. Bevorzugter Ort dafür ist Europa. So trifft eine Nachfrage von 40 Millionen Tonnen auf einen Markt, der in Deutschland lediglich ein Volumen von 25 Millionen Tonnen hat. Und der weiter schrumpft – von 1999 bis heute allein um 25 Prozent.

Kraftstoffexperte Wiek verneint die Befürchtung von so genannten Osteraufschlägen. „Die Preissteigerungen haben nichts mit den Ferien in der Osterzeit zu tun.“ Auch ShellSprecher Winzenried sagte, dass man die Urlaubszeit nicht für Preiserhöhungen ausnutze. „Der Zeitpunkt für so etwas ist nie günstig. Der Grund für Preissteigerungen ist nicht die Hoffnung auf höhere Gewinne.“

Die Luftfahrtkonzerne planen derzeit nicht, auf den höheren Ölpreis zu reagieren. „Wie beobachten den Ölpreis intensiv, aber eine Erhöhung des Kerosinzuschlags ist derzeit nicht geplant“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel am Sonntag. Derzeit liegt der Zuschlag innereuropäisch bei zwölf Euro pro Strecke. Auch Air Berlin und die DBA erklärten, dass ihre Zuschläge vorerst gleich blieben.

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