Wirtschaft : Teure Tonnen

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Von Flora Wisdorff

Sammeln und sortieren, das tun sie gerne, die Deutschen. Mit Eifer verteilen sie ihren Müll seit Jahren penibel auf diverse Mülltonnen. Wer wagt es schon noch, einen Jogurtbecher in die graue Restmülltonne zu werfen und nicht in den gelben Sack? Schließlich schützt man ja so die Umwelt und kann ohne schlechtes Gewissen ins Auto steigen – glauben viele. Und das Duale System (DSD), das die Sammlung und Verwertung des Mülls mit dem Grünen Punkt organisiert, möchte, dass das so bleibt: Bei der Ausschreibung der neuen Entsorgungsaufträge in diesem Jahr verlangt das DSD ausdrücklich ein getrenntes Sammelverfahren.

Der Landrat des LahnDill-Kreises in Hessen, der seinen Müll mit einem Verfahren entsorgt, bei dem eine Tonne ausreicht, hat deswegen das Bundeskartellamt eingeschaltet. Zu Recht. Denn das Duale System will erneut Wettbewerb verhindern. Der Grund liegt auf der Hand: Die Entsorgungsfirmen, die als Gesellschafter beim DSD das Sagen haben, können mehr kassieren, wenn sie mehrere Tonnen entsorgen. Doch das geht zu Lasten der Verbraucher, denn die Müllverwertung aus einer einzigen Tonne ist preisgünstiger. Das Verhalten des DSD könnte im Übrigen auch dem Umweltschutz schaden: Es gibt immer mehr Stimmen aus der Wissenschaft, die Abfallsysteme mit nur einer Tonne für ökologisch sinnvoller halten. Auch das Umweltbundesamt spricht sich dafür aus. Die deutschen Verbraucher sollten sich also an den Gedanken gewöhnen, ihren Müll in eine Tonne zu werfen – ohne schlechtes Gewissen. Und ohne Rücksicht auf das Duale System.

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