Wirtschaft : Teurer Abschied von der Rostlaube

MARGARITA CHIARI

Am 1.April tritt die Altautoverordnung in Kraft / Für die korrekte Entsorgung haftet der BesitzerVON MARGARITA CHIARIBundesumweltministerin Angela Merkel wollte sich eigentlich nicht lumpen lassen.Eine Pflicht zur Autoverschrottung, für die allein der Letztbesitzer zur Kasse gebeten wird, werde es mit ihr nicht geben, so die Ministerin noch vor zwei Jahren, als der Streit mit der Industrie über die geplante Altautoverordnung auf Hochtouren lief.Doch nun kommt es doch so.Von kommendem Mittwoch an, dem 1.April, müssen Autobesitzer, die ihr Auto abmelden, nachweisen, daß sie dieses verkauft, sicher abgestellt oder für eine korrekte Verwertung gesorgt haben - das ist kein Aprilscherz.Der Behörde ist entweder ein Verkaufsvertrag vorzulegen oder ein sogenannter "Verwertungsnachweis", den "anerkannte" Annahmestellen, in der Regel Werkstätten und Autohändler, oder ebensolche Verwertungsbetriebe ausstellen.Doch vorerst droht das kompliziert zu werden, und teuer. Bis zu 400 DM könnte es nämlich kosten, seine Schrottlaube loszuwerden, einige nennen sogar noch höhere Zahlen.Genaue "Preislisten" wird es nicht geben, heißt es beim ADAC.Denn schließlich hänge der Verwertungspreis stark vom Zustand des Autos und dem Anteil noch verwertbarer Teile ab, für die die Preise regional sehr unterschiedlich sein können, so ein Sprecher.In jedem Fall lohne es sich zu verhandeln, da und dort könnte sogar noch ein Bonus rausspringen, vor allem dann, wenn zugleich ein Neuwagen gekauft wird.Nur eines könne der ADAC nicht leisten: eine generelle Beratung für alle Mitglieder."Bei 7000 Schrottautos täglich ist das nicht zu machen", verlautet aus München.Als Alternative bleibt dem Letztbesitzer, bei der Abmeldung eine sogenannte "Verbleibserklärung" vorzulegen, weil er noch auf einen Käufer hofft oder das Altauto als "Oldtimer" in der Garage streicheln will.Als Umgehungstrick ist das aber riskant: Es drohen Bußgelder von bis zu 100 000 DM. Wer aber mangels "Verhandlungsmasse" gar nicht erst zum Autohändler will, sondern direkt einen Verwerter sucht, hat es nicht leicht.Den Blick in die gelben Seiten, wo unter dem Stichwort "Autoverschrotter" reichlich Adressen zu finden sind, kann man sich sparen.Verwertungsnachweise dürfen nur "anerkannte" Betriebe ausstellen, die die Umweltauflagen erfüllen - und davon gibt es bislang bundesweit nur rund 200.Sie, so vermuten Verbraucherschützer, brauchen sich um ihr Geschäft nicht zu sorgen: Denn von den rund drei Mill.Autos, die in Deutschland jedes Jahr aus dem Verkehr gezogen werden, landete bislang rund die Hälfte beim Verschrotter.Bei der "Arge Altauto" in Frankfurt (Main), zu der sich Autohersteller, -importeure, und Entsorger zusammengeschlossen haben, versucht man die Sorge vor explodierenden Verwertungspreisen zu dämpfen: "Die Zahl der Verwertungsbetriebe wird jetzt täglich größer", die Sachverständigen, die die Betriebe überprüfen, arbeiteten auf Hochtouren, sagt Arge-Geschäftsführer Martin Schenk.Eine Liste der Verwertungsbetriebe kann man im Internet unter der Adresse "http://www.arge-altauto.de" abrufen, zugleich hätten Autohersteller und die Automobilclubs Telefonhotlines eingerichtet.In Berlin haben bislang drei Betriebe die Lizenz erhalten: Alba am Hultschiner Damm in Hellersdorf, die Firma Autodienst Süd in der Kiefholzstraße 397 in Treptow und die Autoverwertung Bernd Brasch in der Ortnitstraße in Weißensee.Die BSR entsorgt bei der Firma Farec in Jueterborg, Annahmestellen sind in Tempelhof, Ringbahnstraße 96, in Marzahn, Nordring 5, und in Charlottenburg, Lise-Meitnerstraße 2.Wagen der gehobenen Klasse, die nicht älter als zehn Jahre sind, könnten mit hoher Wahrscheinlichkeit kostenlos abgeben werden, bei anderen lohne sich die Nachfrage, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller.Ansonsten sei mit Kosten von 60 bis 150 DM zu rechnen.Alba nennt eine Spannweite von 100 bis 200 DM.Aber auch einige Hersteller, wie BMW, bieten die kostenlose Rücknahme an - unabhängig von der als "Gegenleistung" für die Altautoverordnung angebotenen generellen Rücknahmegarantie für Autos, die nach dem 1.April 1998 erworben wurden, nicht älter als zwölf Jahre, vollständig, rollfähig und nicht beschädigt sind. Freilich: Schnäppchen sind das nicht, zumal in Berlin, wo Händler aus Osteuropa für halbwegs fahrtüchtige Fahrzeuge noch gutes Geld bieten.Hanskarl Willms, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), hält die Altautoverordnung denn auch für einen "Aprilscherz".Die Rücknahmegarantie der Hersteller sei eine "reine Nullnummer", schließlich hätten auch 13 Jahre alte Autos, die gut gepflegt wurden, noch einen Wiederverkaufswert.Mit der Altautoverordnung aber sei zu befürchten, daß Fahrzeuge zunehmend nach Osteuropa verschoben würden, bei den Verwertern würde mit Ausnahme der Eintauschwagen wohl nur noch der echte Schrott abgeladen - und damit sei kein Geschäft zu machen.Von den rund 3000 Schrotthändlern werden wohl viele aufgeben.Die Kritik will man im Bundesumweltministerium nicht gelten lassen.Es sei schon ein Fortschritt, den "schwarzen Schafen" in der Verwertungsbranche einen Riegel vorgeschoben zu haben.Den "Export" nach Osteuropa aber "kann auch das Ordnungsrecht nicht unterbinden", so Ministeriumssprecher Franz-August Emde. Konsumentenschützer, wie Bodo Tegethoff von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherschützer (AgV), haben aber nicht alle Hoffnung aufgegeben, daß die Hersteller - und nicht nur die Autofahrer - doch noch zur Kasse gebeten werden.Bei der EU-Kommission liegt der Richtlinienentwurf für eine europäische Regelung, die - unter anderem - die Hersteller zur kostenlosen Rücknahme verpflichtet."Das ist Produzentenveranwortung pur", sagt Tegethoff.Mit einer Verabschiedung der Richtlinie sei allerdings in naher Zukunft nicht zu rechnen, und auch dann würde die Umsetzung in nationales Recht noch Jahre dauern."Das ist Schnee von übermorgen."

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