Wirtschaft : Teurer Fang

Die Preise für Alaska-Seelachs und Hering legen um bis zu 50 Prozent zu – der Verbrauch steigt trotzdem. Die Industrie setzt zunehmend auf Zuchtfische

Susanne Herrmann,Daniel Mohr

Berlin - Schlechte Nachrichten für Fischliebhaber: Fisch wird teurer – das Herinsgfilet zum Beispiel um 50 Prozent. Statt 60 Cent pro Kilogramm kostet die Rohware nun 90 Cent. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Preise für Fischstäbchen im Supermarkt erhöht werden. „Spätestens im ersten Quartal 2006 wird der Verbraucher es an der Ladentheke spüren“, sagt Ute Sievert von Iglo.

Iglo hat vor allem mit Preissteigerungen beim Alaska-Seelachs zu kämpfen. Bis zu 25 Prozent ist der Fisch teurer geworden, aus dem Iglo seine Fischstäbchen herstellt. „Zum 1. November werden unsere Preise gegenüber dem Handel im einstelligen Prozentbereich angehoben“, sagt Sievert. Diese Tendenz bestätigen auch die anderen großen Hersteller. „Wir haben die Preise um durchschnittlich zehn Prozent angehoben“, sagt Frank Stoppel, Geschäftsführer der Fischkonserven-Produktion von Hawesta.

In welchem Umfang der Handel die Preissteigerungen weitergibt, ist offen. „Wir äußern uns generell nicht zu unserer Preispolitik“, heißt es dort. Die Preiserhöhungen der Industrie nimmt der Handel aber nicht kampflos hin. „Wir stehen unter enormem Wettbewerbsdruck und können solche Preiserhöhungen nicht so ohne Weiteres an den Verbraucher weitergeben“, sagt ein Rewe-Sprecher.

Doch die Fischindustrie hat keinen Spielraum mehr. „Wir können die höheren Weltmarktpreise nicht aus eigener Kraft kompensieren“, sagt Andreas Kremer vom Fischfabrikanten Deutsche See. Die immensen Preissteigerungen bei den Rohwaren drücken auf die Gewinnmargen. „Die teure Rohware ist vor allem auf die stark gestiegene Nachfrage nach Fisch in Osteuropa, Russland und China zurückzuführen“, sagt Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie. Die Ressourcen der Meere sind begrenzt und die Nachfrage nach Fisch steigt. Das treibt die Preise in die Höhe – auch langfristig. Der steigende Lebensstandard in den Wachstumsmärkten im Osten erhöht die Nachfrage. Dies betrifft auch den Fischmarkt in Deutschland. Der Hauptlieferant Norwegen setzt seinen Fisch nun lieber in Russland ab. Dort wird der Hering im Ganzen verspeist. Die deutsche Konservenindustrie benötigt hingegen sortierte und filetierte Ware. Russland bietet für den geringeren Arbeitsaufwand den besseren Preis.

Zusätzlich verteuert der hohe Ölpreis den Fischfang. Die Schiffe verbrauchen enorme Mengen Treibstoff. Auch der Transport von Fisch wird dadurch teurer. 85 Prozent des in Deutschland verzehrten Fischs wird importiert.

Die Deutschen essen gerne Fisch: Im Jahr 2004 kauften die Haushalte im Durchschnitt 10,3 Kilogramm Fisch – Tendenz steigend. Die beliebtesten Fischsorten sind Alaska-Seelachs und Hering. Sie kommen fast ausschließlich aus fremden Gewässern.

83 Prozent des Fischs werden hierzulande im Discounter oder im Supermarkt gekauft. Die Preisverhandlungen der Industrie mit den Handelsketten haben deshalb für den Fischliebhaber große Bedeutung. Wann die Preissteigerung den Verbraucher erreicht, hängt in erster Linie von den Discountern ab. „Die anderen Handelsketten warten auf die Reaktion des Aldi-Konzerns“, sagt Verbandsgeschäftsführer Keller. Eigentlich hätte die Fischindustrie ihre Kostensteigerungen schon früher an den Handel weitergegeben, aber sie ist an Halbjahres- und Jahresverträge gebunden.

Deshalb sucht die Industrie auch nach anderen Wegen, auf den Kostendruck zu reagieren. „Wir werden den Fisch in anderer Form anbieten – Rotbarsch beispielsweise in kleineren Packungen“, erklärt Felix Ahlers, Vorstandsmitglied der Frosta AG, eine Möglichkeit, der Preissteigerung von 50 Prozent beim Rotbarsch zu begegnen.

Um sich von den Engpässen bei beliebten Fischsorten unabhängiger zu machen, setzt die Industrie zunehmend auf Zuchtfische. „Zum Beispiel die Buntbarsch-Art Tilapia und der weißfleischige Wels Pangasius aus Vietnam sind eine Alternative“, sagt Ahlers. Statt des Rotbarschs wird nun immer häufiger der Victoria-Seebarsch verwendet. Der bedrohte Kabeljau wiederum wird als Aquakultur-Züchtung neu entdeckt.

Der Verbraucher lässt sich die Lust auf Fisch bisher nicht verderben. Die Nachfrage ist ungebrochen. „Wir rechnen in den nächsten fünf Jahren mit einer Steigerung des Fischverbrauchs in Deutschland um bis zu einem Viertel“, sagt Keller vom Branchenverband.

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