Wirtschaft : Teurer Flop Dresdner Bank

Die Finanzwirtschaft steckt in schweren Turbulenzen – ganz besonders die Allianz-Tochter

Rolf Obertreis

Auch Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle betrachtete die Übernahme im Frühjahr 2001 als Coup. Mit der Dresdner Bank sollte die Allianz einen weiteren Schritt nach vorne tun. „Doppelt gut voran“, riefen Schulte-Noelle und Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz im August vergangenen Jahres den Mitarbeitern der Bank in Frankfurt (Main) zu. Jetzt beginne die Zeit der großen Ernte.

Heute ist klar: Die Übernahme der Dresdner Bank ist ein Flop, es war ein schwerer und vor allem teurer Fehler. Zusammengerechnet hat die Allianz mehr als 20 Milliarden Euro für das Geldhaus bezahlt. Keine andere der Frankfurter Großbanken wird heute von der Bankenkrise so gebeutelt wie die Dresdner Bank. Sie wird in diesem Jahr einen Verlust in mehrstelliger Milliardenhöhe einfahren und damit die Bilanz des Münchener Versicherungskonzerns massiv unter Druck setzen. Bereits nach neun Monaten lag das Minus der „grünen“ Bank im eigentlichen Bankgeschäft bei mehr als drei Milliarden Euro. Nur Sondererträge aus dem Verkauf von Beteiligungen und Aktien konnten den Verlust auf 174 Millionen Euro drücken.

Für die Banken ist das Jahr 2002 das schwerste seit 50 Jahren. Von allen Seiten werden sie in die Zange genommen. Die Konjunkturflaute und die Pleitewelle beuteln das Firmenkundengeschäft. Die Risikovorsorge für wackelige Kredite muss drastisch erhöht werden, allein bei der Dresdner Bank waren es für die ersten neun Monate 1,8 Milliarden Euro und damit ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Auch im Privatkundengeschäft läuft wenig, weil der Konsum stockt und weil wegen der Börsenflaute vor allem die Aktiengeschäfte weitgehend ruhen. Damit stagnieren die Provisionseinnahmen.

Ganz flau sieht es für die Banken in diesem Jahr im mit hohen Kosten belasteten Investmentgeschäft aus: Kein Unternehmen will an die Börse, Übernahmen und Fusionen sind rar. Kein Geschäftsfeld bietet den Banken in diesem Jahr Möglichkeiten, die Ertragsflaute auch nur annährend zu kompensieren. Jetzt rächt sich, dass die Geldhäuser in Boomjahren geklotzt und die damals schon überkommenen Strukturen nicht angepackt haben. Damit bleiben den Banken derzeit nur zwei Stellschrauben: die Kosten und die Reduzierung der Verluste durch den Verkauf von Tafelsilber. Rund 40000 Arbeitsplätze werden bis Ende 2003 gestrichen – bis in die obersten Etagen. Vor allem die Deutsche Bank hat in diesem Jahr ihr Portefeuille bereinigt: Allianz, Münchener Rück oder Linde standen auf der Verkaufsliste und brachten Milliarden in die Kasse. Bei der Dresdner Bank ist nicht so reichlich Tafelsilber vorhanden, insofern ist dort der Druck ungleich größer. Bei der Dresdner Bank steht für Experten längst fest: Über kurz oder lang wird sie zerschlagen.

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