Wirtschaft : Teurer Luxus

Fatina Keilani

DAS TESTURTEIL 4 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

Soll das eine Pralinenschachtel sein oder eine Packung mit Spülmaschinentabs? Die neuen „Quantum"-Tabs der Firma Calgonit sehen jedenfalls schon anders aus als alle anderen: Die Schachtel hat vorn eine Klarsichtfolie, und man sieht die aufgereihten Tabs wie kleine Kostbarkeiten da liegen, in zwei Lagen à zwölf Stück. Glaubt man der Werbung, so beseitigen sie jeden Schmutz und verhindern das Blindwerden von Gläsern. Man muss vom Äußeren aber schon sehr geblendet sein, um das Preisschild zu übersehen: Unverschämte 6,99 Euro habe ich im Supermarkt bezahlt, nachdem die Drogeriediscounter in meiner Nähe das Produkt weder hatten noch kannten. Dieser Preis schlägt sogar die Öko-Dinger aus dem Bioladen, die ich regelmäßig benutze, besonders wenn Zahnbürsten und die Sauger von Babyflaschen im Spüler mitlaufen.

Nach der ersten Wäsche mit Quantum war ich begeistert, nach der zweiten entsetzt. Erste Wäsche: alles blitzeblank, besonders toll die Gläser. Zweite Wäsche: überall klebten Speisereste, ganz schlimm am Besteck. Hatte ich falsch gepackt? Daraufhin beschloss ich eine umfangreichere Testreihe mit drei Produkten. Ergebnis: Ganz fabelhaft sind die neuen Tabs, wenn Ei im Spiel ist. Das muss an der Protease liegen, einem eiweißspaltenden Enzym. Für Eierreste kann man die Tabs wirklich empfehlen. Für andere Geschirrladungen braucht man das teure Zeug nicht. Die billigen Dinger vom Discounter funktionieren genauso gut.

Weiterer Minuspunkt: Die Calgonit-Tabs riechen noch penetranter nach chemischer Keule und künstlichen Duftstoffen als alle anderen. Hier sind für mich die Produkte aus dem Bioladen top.

Angenehm an den Calgonit-Tabs ist, dass man sie nicht anfassen muss. Man legt sie nämlich mitsamt der Plastikfolie in die Maschine. Die Folie löst sich dann wohl recht schnell auf.

Einen Nachteil haben die Tabs noch: Ihre Gestaltung verhindert, dass man sie halbiert. Ich habe nur einen 45-cm-Geschirrspüler, und obwohl ich ihn richtig voll belade, passt da eben nicht so viel rein wie in einen großen. Andere Tabs schneide ich einfach in der Mitte durch, und wenn die Teller nicht superdreckig waren, reicht das völlig. Das geht bei Quantum nicht.

Wie sie überhaupt einfach zu teuer sind für das, was sie leisten: Ein Discounter-Tab kostet etwa acht Cent, halbiert also nur vier, das Öko-Tab kostet 20 Cent, das neue Quantum fast 30. Man kann ja eine Packung davon im Hause haben, falls mal Reste von Rührei, Kuchenteig und Quiche anfallen – dann ist es super. Sonst entbehrlich.

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