Wirtschaft : Teurer Poker um Stahlkonzern

Arcelor überbietet Thyssen-Krupp im Übernahmekampf um kanadische Dofasco

Alfons Frese,Stefan Kaiser

Berlin / Düsseldorf - Der Bieterwettstreit um den kanadischen Stahlkonzern Dofasco wird immer spannender – und teurer. Nachdem Thyssen-Krupp am Wochenende sein Angebot von 63 auf 68 kanadische Dollar je Aktie erhöht hatte, zog Arcelor zum Wochenbeginn nach und bot 71 Dollar. Das entspricht einem Gesamtpreis von knapp vier Milliarden Euro. Thyssen-Krupp will nun seinerseits binnen fünf Tagen „über das weitere Vorgehen entscheiden“. Das erste Angebot des deutschen Konzerns lag im November bei 61,50 Dollar. Ein Kaufpreis oberhalb von 70 Dollar wird von Experten als zu teuer eingestuft. Entsprechend reagierte am Montag die Börse: Sowohl Thyssen-Krupp (minus zwei Prozent) als auch Arcelor (minus drei Prozent) standen unter Druck.

Dofasco ist mit 11 000 Mitarbeitern der größte Stahlhersteller Kanadas. Zuletzt kam das Unternehmen, das vor allem die Autoindustrie beliefert, auf einen Umsatz von 4,2 Milliarden kanadische Dollar. Arcelor entstand 2001 aus der Fusion von Aceralia (Spanien), Arbed (Luxemburg) und Usinor (Frankreich). Mit rund 95 000 Beschäftigten ist Arcelor der größte Stahlkonzern Europas, zu dem auch Eko Stahl in Eisenhüttenstadt gehört. Die Stahlsparte von Thyssen- Krupp zählt rund 32 000 Mitarbeiter.

Thyssen-Krupp bemüht sich um eine freundliche Übernahme, während Arcelor vom Dofasco- Management abgelehnt wird. Deshalb ist auch fraglich, ob trotz des verbesserten Angebots Arcelor den Zuschlag bekommt. Denn am Wochenende vereinbarte die Dofasco-Führung mit den Deutschen eine Erhöhung der so genannten break fee von 100 auf 215 Millionen kanadische Dollar. Das bedeutet, wenn Thyssen-Krupp nicht den Zuschlag erhält, muss Dofasco respektive der Dovasco-Käufer 215 Millionen Dollar an Thyssen-Krupp zahlen.

Sowohl Arcelor als auch Thyssen- Krupp wollen mit Dofasco ihre Stellung in Nordamerika ausbauen. Gegenwärtig investieren beide Unternehmen in Brasilien. Die dort produzierten Stahlplatten („Brammen“) sollen dann unter anderem bei Dofasco weiterverarbeitet werden. Schließlich sind die Kanadier noch aus einem weiteren Grund attraktiv: Ihnen gehört ein Erzbergwerk im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro.

Grundsätzlich versuchen derzeit die Stahlkonzerne weltweit durch Zukäufe zu wachsen, um ihre Position beim Einkauf von Rohstoffen und beim Verkauf ihrer Produkte zu stärken. Die europäischen Stahlkonzerne stehen dabei vor allem unter dem Druck der wachsenden Konkurrenz aus Asien. Der indische Mittal-Konzern ist in atemberaubendem Tempo zum größten Stahlhersteller weltweit aufgestiegen und schnappte Arcelor im vergangenen Oktober das ukrainische Stahlwerk Kryvorizhstal weg. Auch die Stahlriesen aus Korea und Japan sind gut im Geschäft.

Noch mehr Sorgen macht den Europäern aber die Entwicklung in China. Nach Angaben des Stahlweltverbands stellten die rund 260 chinesischen Stahlwerke von Januar bis November 2005 rund 318 Millionen Tonnen Rohstahl her – fast ein Drittel der weltweiten Produktion. Vor allem einfachere Produkte wie zum Beispiel Walzdraht entwickeln sich dabei schon jetzt zu Exportschlagern. Beim Qualitätsflachstahl, der zum Beispiel für Autobleche genutzt wird, hinken die Chinesen allerdings noch etwas hinterher. Deshalb wollen europäische Konzerne wie Thyssen-Krupp und Arcelor l vor allem in diesem Segment punkten.

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