Wirtschaft : Teurer Reisegefährte

Wer das Handy im Ausland benutzt, sollte die Tariftricks kennen

Dennis Kremer

Der kleine Reisebegleiter kann ganz schön nervig sein. Er piepst und klingelt und stört die Urlaubsruhe. Trotzdem möchte kaum jemand im Ausland auf sein Handy verzichten. Auf der Skipiste oder am Strand, im Hotel oder auf dem Camping-Platz – die Deutschen lassen es überall in Europa klingeln. Doch Telefonieren im Ausland ist teuer: Dreiminütige Gespräche vom Handy ins deutsche Festnetz können leicht mehr als drei Euro kosten. „Wer im Ausland soviel telefonieren will wie zu Hause, muss sich auf eine saftige Rechnung einstellen“, sagt Martin Müller, Geschäftsführer des Mobilfunkdienstleisters Teltarif (www.teltarif.de).

Der wichtigste Tipp des Experten lautet daher: „Man sollte sich möglichst kurz fassen.“ Das allein reicht aber nicht. Schon in der Heimat sollte sich der Vieltelefonierer auf die Reise mit dem Handy vorbereiten – zum Beispiel durch intensiven Preisvergleich der einzelnen Anbieter in seinem Urlaubsland (siehe Tabelle). Handy-Gespräche aus dem Ausland nach Deutschland laufen mittlerweile in fast allen europäischen Ländern nach einem einheitlichen Schema ab: Sobald Handy und Besitzer die Landesgrenze passieren, wählt sich das Gerät entweder automatisch in das ausländische Netz ein, das den besten Empfang bietet – oder in ein Partnernetz des deutschen Anbieters, das auf der SIM-Karte des Mobiltelefones voreingestellt ist.

Roaming heißt die Möglichkeit, im Ausland mit dem eigenen Handy die Netze fremder Anbieter zu nutzen. Die Abrechnung erfolgt beim deutschen Anbieter. Aber sowohl die automatische Netzeinwahl als auch die Voreinstellung auf der Sim-Karte kann teuer werden. „Der Preis kann bis zu 20 Prozent über dem billigsten Angebot liegen“, warnt Tarifexperte Müller. Er rät: Über den Menüpunkt „manuelle Netzwahl“ auf dem Handy das kostengünstigste Netz einstellen.

Dabei muss der Urlauber im Ausland nicht nur für seine eigenen Handyanrufe zahlen: Auch jedes eingehende Gespräch kostet – je nach Anbieter zwischen 0,56 und 0,69 Euro. Da ein Anrufer aus Deutschland nicht wissen kann, wo sich sein Gesprächspartner aufhält, zahlt er nur bis zur deutschen Grenze – die übrigen Kosten trägt der Empfänger. Vor allem das Abhören der Mailbox kann deshalb teuer werden. „Unter Umständen wird der Kunde drei Mal zur Kasse gebeten“, sagt Müller.

Das ist dann der Fall, wenn der Reisende eine „bedingte Rufumleitung“ auf seinem Handy eingestellt hat. Bei Abwesenheit oder bei Besetztzeichen wird der Anruf zur Mailbox umgeleitet. Der Angerufene muss dann zunächst die Kosten für das eingehende Gespräch ab der Landesgrenze zahlen (obwohl er gar nicht ans Telefon geht) und dann die Kosten für die Umleitung zur deutschen Mailbox. Die Umleitung wird wie ein Telefongespräch nach Deutschland abgerechnet. Hinzu kommt dann drittens die Abfrage der Mailbox. Müllers Tipp: „Entweder die Mailbox ganz ausschalten oder die unbedingte Rufumleitung einstellen.“ Eine unbedingte Rufumleitung bedeutet: Jeder eingehende Anruf landet sofort auf der deutschen Mailbox. Das hat allerdings den Nachteil, dass der Urlauber per Handy im Ausland nicht erreichbar ist – er kann nur selber anrufen. „Für Leute, die unbedingt erreichbar sein müssen, ist das sicherlich keine Lösung“, sagt Tarifexperte Müller.

Die Suche nach dem günstigsten Roaming-Tarif kann durchaus Zeit kosten – und die Mobilfunkbetreiber haben das Problem erkannt: T-Mobile, Vodafone und O2 bieten für ihre Privatkunden einheitliche Auslandstarife an. Mit dem „Worldclass“-Tarif kann der T-Mobile-Kunde in 24 Ländern zu einem Minutenpreis von 89 Cent pro Minute in den Partnernetzen des Anbieters telefonieren. Bis zum 30. April gilt ein Aktionstarif von 59 Cent pro Minute. Hinzu kommt allerdings ein Bereitstellungspreis von einmalig 4,95 Euro. O2 bietet ab Mitte Mai in neun europäischen Ländern den „Star-Map“-Tarif an (89 Cent pro Minute). Auch der „Eurocall“ von Vodafone für 18 Länder kostet 89 Cent in der Minute. Der Nachteil bei allen Anbietern: Nicht immer ist ein fester Auslandstarif billiger als die normalen Roaming-Tarife. „Diese Angebote lohnen sich nur für Kunden, die sich regelmäßig in verschiedenen Ländern aufhalten“, sagt Tarifexperte Müller.

Er selbst nutzt sein Handy im Urlaub nur in Notsituationen. „Meist tut es auch eine SMS“, sagt Müller. Die Kurznachricht nach Hause ist nämlich billiger als ein kurzer Anruf. Sie kostet je nach Urlaubsland zwischen 15 und 44 Cent. Wer aber unbedingt telefonieren will, sollte sich dafür die Nebenzeit aussuchen. Der Anruf in den Abendstunden und am Wochenende ist bei den meisten Netzanbietern deutlich günstiger als ein Gespräch tagsüber. Für alle Besitzer eines Prepaid-Gerätes ist außerdem Vorsicht geboten. „Im Ausland zahlt man mit einer Prepaid- Karte leicht zwei bis drei Mal so viel für ein Gespräch wie mit einem Vertragshandy.“

Auch wenn Mobiltelefonieren im Ausland eine teure Sache ist – das Geld für Postkarten können sich Besitzer von MMS-fähigen Handys sparen. Mit der Funktion „MMS to Postcard“, die alle Netzbetreiber anbieten, kann der Urlauber Handy-Fotos plus Nachricht nach Deutschland schicken. Foto und Text landen als Postkarte im Briefkasten des Empfängers. Preis: Etwa zwei Euro pro Karte.

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