Teurer Verzicht : Bayer schreibt Schering ab

Die Abschreibung des Namens Schering beschert Bayer rote Zahlen. Am Standort Berlin will der neue Bayer-Vorstandsvorsitzende Dekkers grundsätzlich festhalten.

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Abgeschraubt und abgeschrieben. Das Abschaffen des Namens Schering und juristische Auseinandersetzungen um Genreis haben das Geschäft belastet. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Abgeschraubt und abgeschrieben. Das Abschaffen des Namens Schering und juristische Auseinandersetzungen um Genreis haben das...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin - Hohe Abschreibungen und die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte machen Marjin Dekkers seinen Start nicht gerade einfach. Gleich auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz als neuer Bayer-Vorstandsvorsitzender musste er am Montag einen Verlust für das vierte Quartal 2010 von 145 Millionen Euro verkünden. Und auch das Konzernergebnis für das Gesamtjahr liegt mit 1,3 Milliarden Euro um 4,3 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres.

Belastet wird die Bilanz durch außerplanmäßige Abschreibungen. So hat Bayer für 405 Millionen Euro jetzt den Markennamen Schering abgeschrieben. Nach der Übernahme 2006 war zuletzt der Name gestrichen worden, um die Kernmarke Bayer zu stärken. Rechtsstreitigkeiten um gentechnisch veränderte Reispflanzen in den USA haben den Konzern weitere 526 Millionen Euro gekostet.

Dennoch gab sich Dekkers optimistisch. „Für uns war es insgesamt ein gutes Jahr“, sagte er. Damit bezog er sich vor allem auf den Umsatz des Konzerns. Mit insgesamt 35,1 Milliarden Euro erzielte Bayer 2010 den höchsten Wert der Firmengeschichte. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag mit 7,1 Milliarden Euro fast zehn Prozent im Plus. In diesem Jahr will Bayer es auf 7,5 Milliarden steigern. Analysten waren von 7,8 Milliarden ausgegangen.

Auch wenn die Prognose leicht hinter den Erwartungen zurück blieb, reagierten die Börsianer entspannt. Nachdem die Bayer-Aktie kurzfristig ins Minus gerutscht war, gehörte sie am Ende des Tages doch noch zu den Gewinnern im Dax und stieg 2,5 Prozent.

Vor allem die Kunststoffsparte kurbelte 2010 die Geschäfte bei Bayer an. Ihr Umsatz stieg um 35 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Die Sparte profitierte vor allem von der Erholung der Gesamtwirtschaft. „Als wichtigen positiven Faktor sehen wir die gestiegene Nachfrage in den bedeutenden Abnehmerbranchen“, sagte Dekkers. Dazu gehörten vor allem die Automobil- und die Elektroindustrie.

Die beiden Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz, auf die zwei Drittel des Bayer-Umsatzes entfallen, schwächelten jedoch im Vergleich zum Vorjahr. Zwar stieg in beiden Bereichen der Umsatz, der Zuwachs blieb aber stark hinter den Werten des Vorjahres zurück. Zu schaffen macht Bayer vor allem die Konkurrenz durch günstigere Nachahmerprodukte, die sogenannten Generika. Der Umsatz mit Antibabypillen aus der Produktfamilie Yaz – Bayers zweitwichtigstem Mittel nach dem Multiple-Sklerose-Präparat Betaferon – ging um rund 13 Prozent zurück. Hoffnung setzt Dekkers deshalb in neue Produkte wie den Gerinnungshemmer Xarelto. Im Januar ist das Medikament in der EU und in den USA zur Prävention von Schlaganfällen zugelassen worden. Mit Xarelto will Bayer künftig einen Umsatz von zwei Milliarden Euro jährlich erzielen.

Auch die Gesundheitsreformen in verschiedenen Ländern drücken bei Bayer auf den Umsatz – Dekkers beziffert den Rückgang dadurch auf 160 Millionen Euro. „Insgesamt rechnen wir aufgrund dieser Reformen auch im laufenden Jahr mit erheblichen Belastungen“, sagte er. Der Konzern kalkuliert derzeit für 2011 mit 270 bis 300 Millionen Euro weniger.

Die Umsetzung des bereits angekündigten Sparpakets verläuft Dekkers zufolge derweil planmäßig. Mit dem Betriebsrat sei eine Vereinbarung über einen sozialverträglichen Stellenabbau erzielt worden. Schon im November hatte Dekkers angekündigt, bis 2012 weltweit 4500 Stellen streichen zu wollen, 1700 davon sollen in Deutschland wegfallen. Welche Standorte von dem Stellenabbau betroffen sind, ließ Dekker auch am Montag weiter offen. Derweil will er den Anteil von Frauen in Führungspositionen bis 2015 von 20 auf 30 Prozent erhöhen.

In der ehemaligen Schering-Zentrale in Berlin arbeiten rund 5000 Mitarbeiter. Auch wenn der Name Schering jetzt endgültig Vergangenheit ist, will Dekkers an der Hauptstadt festhalten. „Wir stehen zum Standort Berlin“, sagte er. „Er ist sehr wichtig für uns.“

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