Teures Benzin : Kartellamtschef Mundt: "Wir schaffen jetzt Transparenz"

Bundeskartellamtschef Andreas Mundt über die neue Marktmacht der Mineralölkonzerne, Lebensmittelpreise, die Berliner Wasserbetriebe und warum Videos ein Produkt wie Kaffee sind.

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Andreas Mundt ist seit 2009 Präsident des Bundeskartellamts.
Andreas Mundt ist seit 2009 Präsident des Bundeskartellamts.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Herr Mundt, in zwei Wochen ist Ostern. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Sprit dann wieder teurer wird. Warum können Sie nichts dagegen tun?
Die Mineralölfirmen haben ein System gefunden, mit dem sie gefahrlos Preiserhöhungen durchsetzen können. Aral oder Shell – einer von den beiden fängt an, und alle anderen Wettbewerber folgen innerhalb von 180 Minuten.

Und Sie schauen zu?
Wir haben keine Hinweise auf illegale Absprachen. Die Unternehmen nutzen ihre Marktmacht geschickt aus. Sie beobachten einfach die Preise und ziehen nach. Jede Konzernzentrale weiß, was der Sprit an jeder Tankstelle kostet. Diese Transparenz nutzen die Mineralölfirmen für Preiserhöhungen. Das ist unerfreulich und ein Ergebnis mangelnden Wettbewerbs, aber kein verbotenes Verhalten.

Künftig sollen auch die Verbraucher zeitnah erfahren, wo sie am billigsten tanken.
Ja, wir schaffen jetzt dieselbe Transparenz über die Benzinpreise für die Kunden.

Dafür gibt es doch schon heute Apps und Internetportale.
Und die leisten auch wirklich einen wertvollen Beitrag. Aber die neue Markttransparenzstelle, die wir beim Bundeskartellamt aufbauen, wird viel mehr Daten in kürzerer Zeit liefern.

Wie soll das gehen?
Die Mineralölunternehmen müssen uns alle Preisänderungen innerhalb von fünf Minuten melden. Wir sammeln das und geben die Daten an Verbraucherinformationsdienste weiter. Diese verbreiten die Infos dann etwa über Apps weiter oder speisen sie direkt in die Navigationssysteme ein.

Und das sorgt für niedrige Spritpreise?
Die Verbraucher werden künftig in der Lage sein, ganz gezielt die günstigste Tankstelle anzusteuern. Das wird den Druck auf die Anbieter erhöhen. Wir tun aber noch mehr. Wir untersuchen auch den Raffineriebereich. Wir wollen Raffinerie- und Tankstellenpreise abgleichen und herausfinden, wie die ganze Wertschöpfungskette funktioniert.

Wann kann ich mir die neue App mit den vom Kartellamt geprüften Spritpreisen auf mein Handy laden?
So bald wie möglich. In Österreich mit seinen 3000 Tankstellen hat das ein Jahr gedauert. Wir haben 14 700 Tankstellen.

Könnten Sie dieses Modell nicht auch auf andere Bereiche übertragen, etwa auf den Lebensmittelhandel? Dann könnten Sie uns sagen, wo die Milch gerade am billigsten ist.
Der Tankstellenmarkt ist sehr ungewöhnlich strukturiert und rechtfertigt deshalb auch ungewöhnliche Maßnahmen. Das können Sie aber nicht kurzerhand auf andere Märkte übertragen.

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