Teures Essen : Kartoffelpreise steigen rasant

Lebensmittel kosten deutlich mehr als vor einem Jahr und treiben die Inflation nach oben. Besonders Kartoffeln, Butter und Äpfel sind teurer geworden.

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Späte Ernte. Erst verzögerte der Frost die Aussaat, dann behinderten Regen und Flut die Kartoffelernte. Gemüse und Obst verteuerten sich im Juli auf Jahressicht um mehr als elf Prozent.
Späte Ernte. Erst verzögerte der Frost die Aussaat, dann behinderten Regen und Flut die Kartoffelernte. Gemüse und Obst...Foto: dpa

Berlin - Die schlechte Kartoffelernte wegen des langen, kalten Winters und des verregneten Frühsommers spiegelt sich jetzt auch in den Verbraucherpreisen für die Knollen wider: Im Juli stiegen sie um 44,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit auf ein Rekordhoch. So ist die Verdopplung der Erzeugerpreise von 300 auf nunmehr 650 Euro je Tonne Kartoffeln auch im Handel angekommen.

Auch für viele andere Lebensmittel mussten Verbraucher wegen der schlechten Ernten deutlich mehr ausgeben, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Gemüse und Obst verteuerten sich um mehr als elf Prozent, Äpfel gar um 22 Prozent. Butter kostete im Juli knapp ein Drittel mehr als vor Jahresfrist. Insgesamt stiegen die Lebensmittelpreise im Schnitt um 5,7 Prozent und damit so stark wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

Das dürfte nach Einschätzung von Verbänden und Organisationen auch so bleiben. „Wir haben nicht nur Wetterkapriolen, die die Ernten beeinträchtigen, sondern durch den wachsenden Wohlstand in Schwellenländern wie China auch eine steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen“, sagte der Sprecher des Handelsverbandes (HDE), Kai Falk. Die Welternährungsorganisation FAO und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sehen ebenfalls in ihrem Ausblick bis 2022 weiter steigende Preise für Getreide und Vieh.

Dennoch: Trotz der Teuerung geben die Deutschen im Schnitt nur zwölf Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aus – das ist deutlich weniger als in anderen Ländern Europas wie etwa Frankreich. Über viele Jahre hinweg galten Lebensmittel deshalb hierzulande als Inflationsdämpfer.

Der Preis für Energie, sonst ein starker Treiber der Teuerung, legte dagegen im Juli nur leicht um 2,9 Prozent zu. Strom verteuerte sich um 11,9 Prozent, leichtes Heizöl und Kraftstoffe wurden billiger.

Insgesamt stieg die Inflationsrate auf ein Jahreshoch von 1,9 Prozent. Im Juni hatte sie noch bei 1,8 Prozent gelegen. Damit bleibt der Indikator aber weiter unter der Zwei-Prozent-Marke, die als Grenze für die Preisstabilität gilt. Den Sparern nützt das wenig: Durch die niedrigen Zinsen können sie die Inflation nicht kompensieren. Nach Berechnungen der Postbank verlieren die Sparvermögen bei Banken in Deutschland allein in diesem Jahr real rund 14 Milliarden Euro an Wert.

Börsenexperten blicken unterdessen deutlich optimistischer auf die deutsche Wirtschaft. Das Barometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten abbildet, stieg im August um 5,7 auf 42,0 Punkte. Das ist der höchste Stand seit März. „Was den Konjunkturoptimismus weiterhin stützt, ist die robuste deutsche Binnenkonjunktur“, teilte das Mannheimer Institut am Dienstag zu der Umfrage unter 250 Analysten und Anlegern mit. Zudem zeichne sich in wichtigen Staaten der Euro-Zone wie Italien und Spanien ein Ende der Rezession ab. Die Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal werden am heutigen Mittwoch veröffentlicht. mit rtr

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