Wirtschaft : Teures Geld am Automaten Mastercard erhöht die Gebühren fürs Abheben

Nicole Bastian (HB)

Frankfurt am Main - Auf Druck von Banken mit einem breiten Geldautomatennetz erhöht Mastercard ab Oktober die Gebühren. Hebt künftig ein Kunde mit seiner Kreditkarte bei einer anderen Bank Geld ab, muss seine Hausbank dafür im Schnitt 1,70 Euro statt 1,20 Euro zahlen. Das geht aus einem Schreiben von Mastercard an die deutschen Banken hervor, das dem „Handelsblatt“ vorliegt.

Hintergrund ist, dass diese Interbanken-Gebühren deutlich niedriger sind, als die Entgelte für den Einsatz der EC-Karte. Hier berechnen sich die Banken in Deutschland im Schnitt 4,50 Euro. Deshalb bieten Direktbanken wie ING-Diba, DKB oder die Volkswagen-Bank ohne eigenes Automatennetz ihren Kunden an, kostenlos Geld am Automaten über die Kreditkarte abzuheben - vor allem über Visa. Darüber ärgern sich die Institute, die einen großen Teil der deutschlandweit 52 000 Geldautomaten stellen, weil so die Konkurrenz ihre Automaten günstig nutzt.

Ab 2009 sollen Banken die Möglichkeit haben, die Gebühren für den Einsatz der Mastercard an ihren Automaten frei zu bestimmen. Dabei können sie die Gebühren erstmals auch direkt dem abhebenden Kunden in Rechnung stellen, heißt es in dem Schreiben.

Wie viel der Kunde selbst künftig zahlt, ist damit nicht klar, denn einige Banken bezuschussen ihre Kunden, andere verlangen höhere Gebühren als sie selbst zahlen. „Den Kunden betrifft es erst, wenn die Banken darauf reagieren, indem sie ihrem Kunden auch höhere Gebühren für die Barabhebung bei fremden Instituten in Rechnung stellen“, sagt Kartenexperte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest.

Der zweite große Kreditkartenanbieter Visa, dessen Interbankengebühr für das Abheben derzeit bei 1,74 Euro und damit in etwa dem Niveau liegt, das Mastercard für den Herbst plant, will die Gebühren nicht weiter anheben. „Wir befürchten sonst, dass eine Preisspirale in Gang gesetzt wird“, sagt der Geschäftsführer von Visa Europe in Deutschland, Ottmar Bloching. Die Gebühren lägen in Deutschland schon jetzt höher als in vielen anderen europäischen Ländern.

Branchenexperten sehen die verschiedenen Tendenzen der beiden mit Abstand größten Kreditkartenanbieter deshalb als Richtungsstreit. Während sich Visa auf der Seite der Direktbanken positioniert, nimmt Mastercard die Sichtweise der Geldautomatenbetreiber ein. „Es kostet Geld, Geldautomaten vorzuhalten. Und dieses Geld muss auch wieder hereingeholt werden“, sagt ein Mastercard-Sprecher. Der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) begrüßten den Schritt.

Nun steigt der Druck auf Visa und die Direktbanken, denn 2009 könnte es durchaus sein, dass einige Institute Visa-Karten fremder Banken nicht mehr akzeptieren, wenn sie weit höhere Gebühren bei Mastercard durchsetzen können.Nicole Bastian (HB)

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