Wirtschaft : Teures Öl beschert BP erneut Rekordgewinn

Knapp fünf Milliarden Euro im Quartal verdient

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London/Düsseldorf - Die hohen Ölpreise haben dem britischen Konzern BP im zweiten Quartal 2006 einen Rekordgewinn beschert. Wie das Unternehmen am Dienstag in London mitteilte, stieg der Nettoprofit um 22,8 Prozent auf 6,12 Milliarden Dollar (4,84 Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schnellte um 24,2 Prozent auf 72,43 Milliarden Dollar hoch.

Der Ölpreis hatte in der vergangenen Woche wegen des Konflikts im Libanon zwischenzeitlich ein Rekordhoch von mehr als 78 Dollar pro Barrel (159 Liter) erreicht. Mit dem Preisanstieg konnte der weltweit zweitgrößte Ölkonzern mehr als ausgleichen, dass seine Produktion zwischen April und Juni auf 4,02 Millionen Barrel sank; ein Jahr zuvor waren es noch 4,11 Millionen Barrel gewesen.

Die überraschend guten Zahlen wurden aber von Berichten über Produktionsprobleme an einer der größten neuen Förderanlagen von BP überschattet: Die Plattform „Thunder Horse“ vor der US-Küste im Golf von Mexiko wird nach BP-Angaben wegen Lecks und schlechter Wetterbedingungen erst im Frühjahr 2007 starten können – rund ein Jahr später als ursprünglich geplant. Das könnte das Geschäft vorerst schmälern.

BP-Vorstandschef John Browne gab zugleich bekannt, dass er Ende 2008 zurücktreten wird. Auch für den außerordentlich beliebten Manager gibt es keine Ausnahme bei der Altersgrenze. Nachdem die Branche in den vergangenen Wochen viel darüber rätselte, ob der 58-jährige Browne eine weitere Amtszeit bei BP absolvieren dürfe, machte der Ölmanager selbst allen Spekulationen ein Ende: „Ich würde auch dann nicht bleiben, wenn man mich darum bittet“, sagte Lord Browne bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen. „BP ist viel größer als eine einzelne Person.“

Die Altersgrenze für BP-Manager, die Browne öffentlich kritisiert hatte, liegt bei 60 Jahren. Noch im April hatte Browne erklärt, er fühle sich noch nicht zu alt, um eines der weltgrößten Unternehmen zu lenken. Auch drei Großinvestoren, die insgesamt vier Prozent des Aktienkapitals von BP halten, ließen wissen, dass sie nichts dagegen hätten, wenn Browne länger bliebe als bis zum Jahr 2008. Bei den Investoren handelt es sich um Standard Life Investments, Insight und die Co-operative Insurance Society. Peter Sutherland, Chef des BP-Verwaltungsrats, hielt aber an der Altersgrenze fest.

Mit seiner Rücktrittserklärung für 2008 hat Browne nicht nur Klarheit in eigener Sache geschaffen, sondern auch das Nachfolgerennen eröffnet. Der Chefsessel von BP ist so begehrt, dass es allein unternehmensintern fünf Kandidaten gibt. Unter Analysten gilt dabei Tony Hayward als Favorit. Hayward ist verantwortlich für die Ölförderung und -produktion – dem wohl wichtigsten Konzernfeld bei BP. Aber auch Haywards Stellvertreter Andrew Inglis sowie Iain Conn, der Vorstand für Sicherheit und Umwelt, machen sich Hoffnungen.

Darüber hinaus räumen Analysten John Manzoni, dem Leiter der Bereiche Raffinerien und Marketing, und Robert Dudley, dem Chef des russischen Joint Ventures TNK-BP, Chancen ein, John Browne zu beerben. AFP/HB

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