Wirtschaft : Teures Öl hilft alternativen Energien

Umweltminister Trittin will Wind- und Sonnenkraft ausbauen, um unabhängiger vom Öl zu werden

Sabine Hölper,Bernd Hops

Berlin - Bundesumweltminister Jürgen Trittin rechnet damit, dass sich die Preise für Energie künftig dauerhaft auf einem höheren Niveau einpendeln werden. Diese Entwicklung könne man nur durch Energieeinsparung, höhere Effizienz und die Produktion erneuerbarer Energien – wie Windkraft und Fotovoltaik – aufhalten. „Durch den Ausbau erneuerbarer Energien verringern wir die Abhängigkeit vom Öl“, sagte Trittin am Montag in Berlin. Das Ziel laute, im Jahr 2020 ein Fünftel des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Argumentationshilfe bekam der Minister erneut von den internationalen Energiebörsen. Der Ölpreis stieg bis zum Abend deutlich, obwohl Saudi-Arabien am Wochenende angekündigt hatte, seine Förderung ab Juni deutlich ausweiten zu wollen.

Zurzeit verbraucht Deutschland im Jahr fast 490 Millonen Tonnen Steinkohleeinheiten an Energie. Größter Energieträger ist Mineralöl, an zweiter Stelle steht Gas. Erneuerbare Energien kommen zurzeit lediglich auf umgerechnet 16,7 Millionen Steinkohleeinheiten. Eine wesentlich größere Rolle als heute können sie bei der Stromerzeugung spielen. Im Verkehrsbereich wird die Abhängigkeit von Öl allerdings noch auf Jahrzehnte bleiben, weil die Forschung mit Alternativen zu Verbrennungsmotoren für Autos nur langsam weiterkommt.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kann nach Branchenschätzungen positive wirtschaftliche Impulse liefern. „Nahezu eine halbe Million Menschen können bis 2020 im Bereich der erneuerbaren Energien Arbeit finden“, sagte Trittin. Derzeit gebe es hier etwa 120 000 Arbeitsplätze. Der Umsatz in der Branche ist seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent auf mittlerweile zehn Milliarden Euro gestiegen. Bei Umsetzung der Pläne zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 sollen es dann 40 Milliarden Euro werden. Der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), Johannes Lackmann, schätzte außerdem das weltweite Investitionspotenzial auf jährlich mehr als 400 Milliarden Euro. Der BEE erwartet, dass Deutschland vor allem durch das Exportgeschäft sowie neue Kraftwerks- und Kraftstofftechnologien Marktanteile gewinnen kann. Zur Förderung der Akzeptanz erneuerbarer Energien in Deutschland hat der BEE gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium eine Kampagne gestartet – für eine Million Euro im Jahr. Das Motto: „Deutschland hat unendlich viel Energie.“

Unterstützung erhält die Branche weiterhin durch die Lage auf den internationalen Ölmärkten. Am Montag kletterte der Preis für den Rohstoff weiter. Die Notierung für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde für 37,80 Dollar gehandelt – 1,29 Dollar mehr als noch am Freitag. Dabei hatte der saudische Ölminister Ali al-Naimi am Wochenende angekündigt, sein Land plane eine deutliche Ausweitung der Ölförderung ab Juni. Statt aktuell 9,1 Millionen Barrel pro Tag sollen dann bis zu 10,5 Millionen Barrel gefördert werden. Außerdem kündigte Saudi-Arabien an, daneben werde in eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten investiert werden.

So soll der seit Monaten hohe Preis für den Rohstoff wieder sinken. Denn die Sorgen wachsen, dass der weltweite Wirtschaftsaufschwung sonst abgewürgt werden könnte. Deshalb haben die sieben größten Industrienationen – G7 – und Russland ebenfalls am Wochenende an die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) appelliert, ihre Förderquoten zu erhöhen. Offiziell hatte das Kartell zurückhaltend reagiert – und eine mögliche Entscheidung erst für kommende Woche auf der turnusgemäßen Ölministertagung in Beirut angekündigt.

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