Wirtschaft : Teures Öl treibt Inflation in der Eurozone

Rate klettert im Mai auf 2,5 Prozent / Attacken auf Pipelines im Irak schüren Angst vor neuer Preisrunde

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Inflation in Europa ist im Mai erneut angestiegen. In den Teilnehmerländern der Währungsunion lag die Rate im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 2,5 Prozent, teilte das EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mit. Das war der höchste Stand seit März 2002. Im April waren es noch 2,0 Prozent gewesen. Schuld daran ist vor allem der Anstieg der Ölpreise. Derweil steigt die Angst vor einer neuen Preisrunde. Denn nach mehreren Anschlägen auf die Förderindustrie kann der Irak praktisch kein Öl mehr liefern. In London kostete ein Barell (159 Liter) der Sorte Brent zeitweise 35,30 Dollar, 27 Cent mehr als am Montag. Händler erklärten jedoch, der Markt reagiere noch recht gelassen auf die Angriffe.

In acht der zwölf Länder der Eurozone sind die Preise im Mai gestiegen. Kraftstoffe und Heizöl hatten an dem 2,5-prozentigen Plus einen Anteil von zusammen 0,42 Prozentpunkten, Tabak kam auf 0,27 Prozentpunkte. In Deutschland lag die Inflationsrate im Mai bei 2,1 Prozent. Ein Grund für die Preiserhöhungen hier zu Lande ist auch die Gesundheitsreform.

Würden die Preise in Europa weiter in diesem Maße steigen, wäre die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, in absehbarer Zeit die Leitzinsen zu erhöhen. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent in der Eurozone an. Höhere Leitzinsen wären gefährlich für den ohnehin schwachen Aufschwung.

Bislang sehen Experten die Konjunktur aber noch nicht in Gefahr. „Im vergangenen Jahr waren die Preise auf einem sehr niedrigen Niveau – deshalb fallen jetzt die Steigerungsraten auch so hoch aus“, kommentierte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America. Zu einem echten Problem werde die Inflation erst, wenn die Gewerkschaften zum Ausgleich ihre Lohnforderungen nach oben schrauben würden. „Dann wird die EZB rasch handeln“, vermutete er.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Dienstag gesagt, sein Haus werde bei solchen so genannten Zweitrundeneffekten „sehr, sehr wachsam sein“. Mittelfristig werde sich die Inflationsrate aber im Rahmen der EZB-Erwartungen einpendeln, versicherte er.

Martin Hüfner, Chefökonom der Hypo-Vereinsbank, macht sich allerdings Sorgen wegen der konjunkturellen Wirkung. „Die Inflation drückt den privaten Konsum und schwächt die Kaufkraft“, sagte er. „Die Lage ist nicht ohne Risiko.“ Er rechnet aber damit, dass nach den Sommerferien der Ölpreis zurückgehen werde – und damit auch die Geldentwertung.

Am Mittwoch ging der Trend zunächst in die entgegengesetzte Richtung. Gründe waren neue Anschläge im Irak. Mit mehreren gezielten Attacken auf Pipelines und die Ölindustrie brachten Rebellen die Lieferungen aus dem Hafen Basra zum Erliegen. Zudem wurde in Kirkuk der Sicherheitschef der nordirakischen Ölgesellschaft erschossen. Die Lieferungen aus dem Irak könnten nun für bis zu zehn Tage unterbrochen werden, fürchten Fachleute. Irak, das weltweit die zweitgrößten Ölreserven besitzt, exportierte zuletzt 1,6 Millionen Barrel am Tag. Die Opec hat Förderländer außerhalb des Kartells wie Russland oder Mexiko aufgefordert, mehr Öl zu fördern. Norwegen erklärte nun, seine Kapazitäten seien bereits ausgeschöpft.

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