Wirtschaft : Teures Rußland-Engagement

MÜNCHEN (fbs).Unter dem Zeichen der Konsolidierung und des Neubeginns steht das Jahr 1998 bei der Herlitz International Trading AG (HIT).Ein Neubeginn, der die Gesellschaft nach dem verlustbringenden Rußland-Engagement bei der Papierfabrik AO Volga wieder in ruhigeres Fahrwasser führen soll, wie der neue Vorstandsvorsitzende der AG, Ernst Schennen, bei der Hauptversammlung am Dienstag in München sagte.Die ersten fünf Monate des laufenden Geschäftsjahres zeigten zwar, daß die HIT noch nicht über den Berg sei."Doch wir sind auf gutem Weg", bestätigte auch sein Vorgänger Detlef Stronk.Er sprach von kaufmännischen Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen bei HIT.So mußte der Aufsichtsrat bald feststellen, daß die AO Volga kein "attraktiver Übernahmekandidat" war.Auch sei die HIT durch dieses "gewaltige Projekt total überfordert" gewesen und habe ihr Stammgeschäft vernachlässigt.Doch die Probleme seien erkannt und Maßnahmen zur Gesundung eingeleitet worden.

Als grundlegende Weichenstellung wurde eine Wertberichtigung in Höhe von 13,6 Mill.DM bei der HIT AG und 2,1 Mill.DM bei der HIT-PVM vorgenommen.In Abstimmung mit der International Finance Corporation - der Tochter der Weltbank - wurden die Verträge aus dem AO-Volga-Projekt beendet und der Verlust aus dem Rußland-Engagement in Höhe von 86,6 Mill.DM voll abgeschrieben.Ebenso beendet wurden das Engagement bei der Papierfabrik Zwingen und die Beteiligungsabsichten beim Zellstoffprojekt Wittenberge, die die HIT "in die falsche Richtung gelenkt" hätten.Stattdessen habe man alle Energien in die Wiedergewinnung der Kompetenz im Tradinggeschäft und den Ausbau des Handels mit Papierverarbeitungs- und Druckmaschinen gesteckt, teilte das Unternehmen mit.

Die Anfangserfolge in der zweiten Hälfte des Jahres 1997 können sich sehen lassen.Der Umsatz wurde statt der im Halbjahresbericht prognostizierten 400 Mill.DM auf 450 Mill.DM gesteigert.Der Jahresverlust lag mit 86,9 Mill.DM unter den anfänglich befürchteten 90 Mill.DM, der operative Verlust wurde auf fünf Mill.DM eingedämmt.Aufgrund marktbedingter Probleme im Mittleren Osten und Europa gehe man davon aus, daß die schwarzen Zahlen 1998 "noch nicht ganz erreicht" werden.Der Umsatz soll laut Geschäftsbericht 365 Mill.DM betragen.

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