Wirtschaft : Texaner kaufen traditionsreiche schweizer Firma für 200 bis 300 Mill. Franken

Die US-Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group übernimmt den traditionsreichen Schweizer Schuhproduzenten Bally. Der Oerlikon-Bührle-Konzern gab den Verkauf am Montag bekannt. Bally soll mit dem bisherigen Management weitergeführt werden. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht. Der Verkauf von Bally an Texas Pacific solle bis Oktober abgeschlossen sein, teilte die Oerlikon-Bührle Holding AG (OBH) in Zürich mit. Die international tätige Beteiligungsgesellschaft mit Sitzen in Fort Worth (Texas), San Francisco (Kalifornien) und London erwerbe vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden 100 Prozent der Bally-Aktien. Der Kaufpreis soll in bar entrichtet werden, wurde vorerst aber nicht bekannt gegeben. Als mögliche Kauf-Interessenten für Bally waren bisher vor allem der Schuh-Konzern Deichmann und die Wünsche-Gruppe, zu der auch Joop gehört, genannt worden.

Finanzanalysten rätselten über die Höhe des Kaufpreises. Die Schätzungen klafften zwischen knapp 200 Mill. und gut 300 Mill. Franken (245 bis 365 Mill. DM). Positiv gewürdigt wurde der Umstand, dass Oerlikon-Bührle mit dem Bally-Verkauf einen Klotz am Bein verliere, der in den vergangenen Jahren die Gewinnentwicklung behindert habe. Vergangenes Jahr war die OBH hauptsächlich wegen Bally tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Schweizer Börse reagierte anfänglich freundlich auf den Verkauf. Der OBH-Titel legte kurz nach Handelsbeginn gegenüber Freitag um 1,4 Prozent zu, geriet dann aber um 0,3 Prozent ins Minus. Texas Pacific wird gemäß Mitteilung substanzielle, aber vorerst nicht näher bezifferte Mittel in Bally investieren, um die geltende Weltmarken-Strategie beschleunigt umzusetzen. Dies führe zu einer Konzentration des Verkaufsnetzes auf beste internationale Lagen. Verkauft werden ferner in- und ausländische Liegenschaften im Wert von rund 200 Mill. Franken; in der Schweiz wurden bereits 14 Bally-Immobilien an die Zürcher GFG Gesellschaft für Grundeigentum verkauft.

OBH-Verwaltungsratspräsident Willy Kissling bezeichnete den Verkauf an Texas Pacific als optimale Lösung für Kunden, Belegschaft und Aktionäre der OBH. Durch den Verkauf werde die OBH-Nettoverschuldung substanziell gesenkt. Die frei werdenden Mittel und Management-Ressourcen, die bisher für Bally hätten aufgewendet werden müssen, könnten für das weitere Wachstum und die Entwicklung der OBH vom Misch- zum Technologiekonzern verwendet werden.

Oerlikon-Bührle hatte für 1998 hauptsächlich wegen Bally einen Nettoverlust von 169 Mill. Franken (206 Mill. DM) ausgewiesen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres erzielte Oerlikon eine Konzernverlust von 18 Mill. Franken bei einem Umsatz von 1,56 Mrd. Franken. Seit September 1997 wurden bei Bally 340 Stellen in Solothurn und im Tessin gestrichen. Ob es nun einen weiteren Abbau gibt, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Die Gewerkschaften hatten nach eigenen Angaben zunächst keine Kenntnis vom Bally-Verkauf.

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