Wirtschaft : Thailand

PolitischesUmfeld
Thailand kam unter Banharn Silpa-archa politisch nie zur Ruhe, Neubesetzungenpolitischer Spitzenpositionen waren in seiner sechzehn Monate währendenAmtszeit als Ministerpräsident an der Tagesordnung.Die im Spätsommeroffenkundig gewordene Regierungskrise mündete Mitte November in Parlamentsneuwahlen.Bei diesen Urnengängen wurde die New Aspiration Party Generals ChaovalitYongchaiyuth stärkste Partei.Chaovalit gilt als Interessenvertreterder ländlichen Bevölkerung sowie pensionierter Militärs undgehörte bereits dem Kabinett seines Vorgängers an.Generell dürftedie Neigung der neuen Regierung zu einer willfährigen Politik gegenüberPartikularinteressen kaum geringer sein als unter Silpa-archa.Die New AspirationParty verdankt ihren Wahlsieg einem extrem aufwendigen Wahlkampf.UnabhängigeQuellen beziffern die Wahlkampfkosten aller Parteien auf annähernd1 Mrd.US-$.Die Höhe des Betrags dürfte nicht zuletzt auf diegängige Praxis des Stimmenkaufs zurückzuführen sein.DieAussichten auf rasche wirtschaftspolitische Reformen sind trotz der AblösungSilpa-archas also eher vage.Die neue Regierung macht in den ersten Wochenihres Bestehens vor allem mit finanzpoliti-schen Sparbeschlüssen aufsich aufmerksam.Die angekündigten Ausgabenkürzungen über4 Mrd.US-$ beziehen sich auf einen Zeitraum von zwei Jahren.Betroffensind insbesondere die Flugzeugbeschaffungspläne der Thai Airways (Gesamtvolumen2,63 Mio.US-$ über fünf Jahre) und Straßenbauvorhaben.Die Streitkräfte sollen dem Vernehmen nach ebenfalls einen Beitragzur Konsolidierung leisten.Ziel der Maßnahmen ist die Verringerungdes Leistungsbi-lanzdefizits, das mittlerweile eine Größenordnungvon 8,5% des BIP erreicht hat. Binnenwirtschaft
Thailand durchschreitet gegenwärtig eine Phase der Wachstumsverlangsamung.Im vergange-nen Jahr verringerte sich der Anstieg des Bruttoinlandsproduktsauf 6,5%.In erster Linie zeichnen die nachlassende Investitionsneigungund die wechselkursbedingt lahmende Ex-portentwicklung für die Entwicklungverantwortlich.Selbst mit Stützungsmaßnahmen der ÖffentlichenHand dürfte es bei einer Kapazitätsauslastung im VerarbeitendenGewerbe in Höhe von rund 70% und anhaltend hohen Finanzierungskostenkaum gelingen, die Abkühlung bereits in diesem Jahr zu stoppen.Dienachlassende Wachstumsphantasie hat bei zahlreichen Unternehmen und Bankeneine an-gespannte Liquiditätslage zum Vorschein gebracht, die auchin einer nachhaltigen Schwäche-phase am Immobilien- und Aktienmarktzum Ausdruck kommt.Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung wardie vorübergehende Zahlungsunfähigkeit der neuntgrößtenGeschäftsbank des Landes, der Bangkok Bank of Commerce (BBC), im Maides vergangenen Jahres, die eine staatliche Rettungsaktion erforderlichmachte.Unter Ausschluß des bei der BBC entstandenen Wertberichtigungsbedarfs(etwa 2,9 Mrd.US-$) gelten offiziell 7,7% der Bankkredite (oder Krediteüber 12,4 Mrd.US-$) als problembehaftet; d.h., in diesen Fällenbestehen seit über ei-nem Jahr Zahlungsrückstände.UnabhängigeQuellen schätzen die Gesamtsumme der nicht fristgerecht bedienten Verbindlichkeitenauf 28 Mrd.US-$.Angesichts dessen sind die geldpolitischen Handlungsspielräumeder Bank of Thailand (BOT) inzwischen stark eingeschränkt.Eine Lockerungder Refinanzierungskonditionen würde zwar die Belastung für inländischeSchuldner lindern, zugleich aber die Gefahr einer Spekulations-welle gegenden Baht erhöhen, die widerum all jene treffen würde, die in derVergangenheit das Zinsgefälle gegenüber anderen Hartwährungenzu Kreditaufnahmen in Fremdwährung ge-nutzt haben.Auch die zweitepolitische Option für die BOT, die Lockerung des Wechselkurs-regimes,das in seiner bisherigen Form auf die Stabilisierung des Baht-Außenwertsgegenüber dem US-Dollar hinorientiert, müßte sehr behutsamangegangen werden, sollen die Märkte nicht verunsichert werden.Imabgelaufenen Jahr hatte die BOT über eine Reihe von Maßnahmendie inländische Kredit-schöpfung drosseln können.Auch dasGeldmengenwachstum hat sich im Jahresverlauf 1996 spürbar abgeschwächt.Nachdem M2 im März noch um 21,9% über dem Vorjahresstand lag,verlangsamte sich dieser Anstieg auf zuletzt 13,3% im November.Der Anstiegder Lebenshal-tungskosten hatte sich bis zum Dezember ebenfalls auf nurnoch 4,8% zurückgebildet.Wei-tere Fortschritte bei der Inflationsbekämpfungdürften aber nur noch schwer zu erreichen sein.Vor diesem Hintergrundund aufgrund der noch anhaltenden Dollar-Stärke werden die aus derAnbindung des Baht an den Dollar erwachsenden Probleme wohl noch an Bedeutunggewin-nen.Seit Mitte 1995 wertete die thailändische Währung gegenüberden Währungen der wich-tigsten Handelspartner real - d.h.unter Einrechnungder jeweiligen Preissteigerungsraten - um 16,9% auf. Außenhandel
Diese reale Aufwertung des Baht hat deutliche Spuren in der Handelsbilanzhinterlassen.Sichtbarstes Zeichen ist die 1996 leicht rückläufigeEntwicklung der Warenexporte.In den Vorjahren wies das Exportwachstum hingegenstets zweistellige Prozentraten auf.Auch das Importwachstum ging von 31,6%in 1995 auf nur noch 0,9% in 1996 zurück, was allerdings den Anstiegdes Handelsbilanzdefizits auf mutmaßlich 10,3 Mrd.US-$ (von vormals8 Mrd.US-$) nicht verhindern konnte.Zugleich macht sich im Ausfuhrsortimentdes Landes ein Wandel bemerkbar.Während insbesondere Hersteller vonTextilien und Bekleidung den Konkurrenzdruck benachbarter Niedriglohnländerstärker zu spüren bekommen, steigt der Absatz von Computern, elektronischenInstrumenten, Schmuck, Elektromotoren und chemischen Erzeugnissen im Auslandrasant an.Die sich auf diese Bereiche konzentrierenden Investitionen ausländischerUnternehmen lassen eine dynamische Entwicklung in diesen Marktsegmentenauch weiterhin plausibel erscheinen.Dies wird allerdings auch erforderlichsein, damit die Umsatzeinbußen bei anderen Produkten ausgeglichenwerden können.Solange die Neigung des Baht zur realen Aufwertung nichtgestoppt wird, ist eine weitere Erhöhung der Import-überschüssewahrscheinlich.Denn Bangkok wird auch die Öffnung des Binnenmarktesim Rahmen internationaler Handelsabkommen noch fortsetzen. Kennzahlen zur Länderbeurteilung : THAILAND Einwohnerzahl: 59,4 Mio. 1994 1995 1996 1997* 1. Handelsbilanzsaldo (Mio.US-$) 3726 -7968 -10300 -12400 2. Warenexport in % des Warenimports 92,3 87,4 84,1 81,3 3. Exportwachstum auf Dollarbasis (%) 22,2 24,7 -2,6 -1,0 4. Einfuhr von Kapitalgütern in % des Gesamtexports 45,7 45,7 .. .. 5. Leistungsbilanzsaldo (Mio.US-$) -8058 -13554 -15700 -17500 6. Leistungsbilanzsaldo in % des Bruttoinlandsprodukts (nominal) -5,6 -8,1 -8,5 -8,6 7. Direktinvestitionen des Auslands (Mio.US-$, netto) 1366 2068 2200 2500 8. Auslandsverschuldung (Mio.US-$) 67681 87544 101806 114063 a) in % eines Jahresexports 1) 115,3 118,2 135,9 149,9 b) in % des Bruttoinlandsprodukts 47,3 52,4 55,3 56,1 9. Schuldendienstkoeffizient (%) 1) 10,4 12,9 14,7 31,4 davon Zinsendienstkoeffizient (%) 1) 4,6 5,7 7,0 7,6 10. Verschuldung gegenüber ausländischen Banken (Mio.US-$) 54465 92178 97789 .. davon mit Restlaufzeit bis zu einem Jahr (%) 72,1 69,5 69,0 .. davon mit Restlaufzeit bis zu zwei Jahren (%) 78,3 75,1 74,8 .. 11. Guthaben bei ausländischen Banken (Mio.US-$) 7041 11807 12080 .. 12. Währungsreserven (Mio.US-$), ohne Gold 29332 35982 38600 36000 13. Währungsreserven in Monatsimporten (Monate) 1) 5,2 4,9 5,1 4,6 14. Reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (%) 8,8 8,6 6,5 6,0 15. Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (US-$, nominal) 2436 2812 3061 3343 16. Inflationsrate (%) 5,2 5,7 5,9 5,0 17. Saldo des Staatshaushalts in % des Bruttoinlandsprodukts 1,7 2,8 2,1 0,5 18. Investitionen in % des Bruttoinlandsprodukts 41,2 42,2 43,0 43,1 1) Waren, Dienstleistungen. * geschätzt ..Zahlen nicht verfügbar Zahlungsbilanz
Die thailändische Leistungsbilanz schließt seit zwei Jahrenmit Fehlbeträgen ab, die mehr als 8% des BIP betragen.Im vergangenenJahr überstiegen die Bezüge von Leistungen aus dem Ausland dielaufenden Ausfuhren und Transfers voraussichtlich um 15,7 Mrd.US-$.EinDefizitabbau allein auf Basis der angekündigten finanzpolitischen Maßnahmenscheint wenig erfolgversprechend, da diese für sich genommen bestenfallseine Reduktion des Leistungsbilanzdefizits in einer Größenordnungvon 1% des BIP bewirken - und auch nur dann, wenn sie ausschließlichandernfalls vorgenommene Importe berühren würden.Bei ausländischenDirektinvestitionen von rund 2 Mrd.US-$ p.a.muß ein Großteilder zum Ausgleich der Leistungsbi-lanzdefizite benötigten Mittel überreine Finanzgeschäfte ohne konkreten realwirtschaftlichen Bezug aufgebrachtwerden.Die Finanzierung der Importüberschüsse erfolgt noch immerprimär über die Bangkok International Banking Facility (BIBF),wobei jedoch der Zufluß kurzfristiger Ausleihungen aus dem Auslandin der zweiten Jahreshälfte 1996 zurückgegangen ist.Allerdingsist dieser Rückgang teilweise kosmetischer Natur, da die BOT mit derAnhebung der Reservehaltungspflicht auf kurzfristige Baht-Einlagen von 2%auf 7% Anreize zu Abschlüssen mit Laufzeiten von mehr als einem Jahrgegeben hatte.Zugleich lag aber auch das Gesamtvolumen der über dieBIBF ausgehändigten Kredite im zweiten Halbjahr deutlich unter demVorjahresniveau.Die Verbindlichkeiten thailändischer Banken gegenüberdem Ausland haben sich zur Jahresmitte sogar wieder etwas verringert.DieserTrend dürfte mittelfristig aber keinen Bestand haben.Aufgrund derlabilen Verfassung der thailändischen Wertpapiermärkte sind ausländischeAnleger derzeit kaum für Engagements zu gewinnen.Auch Anleiheemissionen(4,5 Mrd.US-$ in 1996) decken den Kapitalbedarf des Landes nicht in ausreichendemMaße.Somit dürfte ein Großteil der erforderlich Mit-telweiterhin von ausländischen Banken bereitgestellt werden.Allerdingszeichnete sich bereits 1996 ab, daß diese Zuflüsse nicht mehrin eine Aufstockung der Devisenreserven münden.Deren Bestand stiegim vergangenen Jahr nur noch leicht an (auf 38,6 Mrd.US-$). Verschuldung
Die zur Deckung der laufenden Ausgaben erforderlichen Kapitalimporte lassendie Bruttoauslandsverschuldung rasch ansteigen.Der Schuldenstand dürftenoch vor dem Jahresende 1996 die 100 Mrd.US-$-Marke übertroffen haben.Auch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (55%) und zu den laufenden Deviseneinnahmen(136%, Angaben jeweils für 1996) nehmen die Auslandsverbindlichkeitenzu.Für das kommene Jahr ist ein drastischer Anstieg des Schuldendienstkoeffizientenabzusehen, der sich allein daraus ergibt, daß dann Tilgungen von Kreditenfällig werden, die in der Vergangenheit (als kurzfristige Verbindlichkeiten)in diesen Koefizienten nicht mit eingingen.Frühwarnsystem Das Frühwarnsystemder Volkswirtschaftlichen Abteilung weist Thailand nach wie vor als latentdurch eine Währungskrise gefährdet aus.Verglichen mit früherenAnalysen läßt sich zwar ein Rückgang der kurzfristigen Auslandsverbindlichkeitenund ein geringeres Gewicht der Portfolioinvestitionen innerhalb der Kapitalbilanzfeststellen.Zugleich hat sich aber die befürchtete reale Aufwertungdes Baht inzwischen tatsächlich eingestellt.Im August 1996 mußtedie BOT nach eigenen Angaben 1 Mrd.US-$ zur Verteidigung des Wechselkursesaufwenden.Nach offiziellen Angaben soll die kurzfristige Verschuldung EndeNovember 39,6 Mrd.US-$ betragen haben.Sie wäre damit noch immer größerals die thailändischen Währungsreserven.Einerseits werden auchDirektinvestitionen kurzfristig über die BIBF finanziert, so daßder Devisenabfluß kleiner wäre, wenn die Kredite nicht revolviertwerden könnten.Andererseits existieren mittlerweile aber nennenswerteVerbindlichkeiten mit Laufzeiten von knapp über einem Jahr, die dasGefahrenpotential diesbezüglich vergrößern.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben