Wirtschaft : Theo Waigel geht leer aus

ANDREAS HOFFMANN

Der Verkauf der Bundesbeteiligung an den Saarbergwerken bessert die Staatskasse kaum aufVON ANDREAS HOFFMANN

Nicht einmal eine Maß Bier kann sich Theo Waigel von dem Erlös leisten.Wenn der Finanzminister den 74prozentigen Bundesanteil an den Saarbergwerken verkauft, wird er lediglich eine symbolische Mark erhalten.Mehr nicht.Genaugenommen legt Bonn sogar noch 3,2 Mrd.DM für den Käufer drauf, steht dieser doch vor einer besonderen Aufgabe: Die Essener Ruhrkohle AG (RAG) soll die maroden Zechen des Saarlandes mit ihren eigenen Anlagen an der Ruhr und später mit denen in Ibbenbüren von der Preussag unter dem Dach einer Deutschen Steinkohle AG vereinen.Auf den Gehaltslisten dürften dann rund 100 000 Arbeitnehmer stehen, die 15 Mrd.DM umsetzen.Die Vorteile dieser Lösung: Beim Personal, Einkauf, in der Logistik und in der Vorratshaltung lassen sich Kosten sparen.Und auch Jobs.Schließlich sollen im Steinkohlebergbau von den 88 600 Stellen Ende 1996 bis zum Jahr 2005 etwa 45 000 Jobs wegfallen. Noch ist die Privatisierung aber nicht vollzogen.Ruhrkohle und Saarbergwerke werden erst fusionieren, wenn der Kohlekompromiß als Gesetz vorliegt, damit die weitere Finanzierung gesichert ist.Vermutlich werden die Konzerne aber im Oktober oder November verschmelzen, erwartet Saarberg-Sprecher Torger Wienke.Große Hürden im Bundestag und beim Bundesrat sieht er nicht, da die beteiligten Länder - Saarland und Nordrhein-Westfalen - die Fusion begrüßen würden.Schließlich solle so ein lebensfähiger Bergbau erhalten bleiben.Dazu hatte die Bonner Koalition die Fusion als Auflage für weitere Kohlesubventionen gemacht, wobei das Saarland seine 26 Prozent ebenfalls an die Ruhrkohle übertragen.Gleichzeitig werden die Essener in die Pflicht genommen.Die Ruhrkohle muß aus ihren anderen Unternehmensteilen zwischen 2001 und 2005 insgesamt eine Mrd.DM zubuttern.Das dürfte ihr nicht so schwer fallen, da hinter ihr Unternehmen wie der Mischkonzern Veba, die Stahlproduzenten Thyssen und Krupp-Hoesch sowie der Energiekonzern VEW stehen.Nur bei Erfüllung der Auflagen will der Bund zwischen 1998 und dem Jahr 2005 zusätzliche 3,2 Mrd.DM an Kohlehilfen gewähren. Neben Kostenersparnissen sollen aber auch die Arbeitsgebiete getrennt werden.An der Ruhr wäre dann die Kohlesparte konzentriert; an der Saar sammelten sich in einer neu zu gründenden Saarberg-Gesellschaft die anderen Geschäftsfelder.Immerhin erzielen die Saarbergwerke schon jetzt etwa 60 Prozent ihres Umsatzes (1996: 4,5 Mrd.DM) außerhalb des Bergbaus.So erzeugen sie Strom und Fernwärme, handeln mit Gas und Gummiprodukten, tummeln sich in der Umwelttechnik, im Speditionsgewerbe und sind als Versicherungsvermittler tätig.15 000 Menschen arbeiten derzeit für das Unternehmen im Bergbau, von denen im Jahr 2005 voraussichtlich nur 8000 übrig sein werden.Einer der derzeit drei Bergbaustandorte im Saarland - Ensdorf, Warndt/Luisenthal und Göttelborn/Reden - wird dann seine Fördertürme endgültig abgestellt haben.

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