Wirtschaft : Thomae und Partner: Bauträger jongliert mit Kleinanlegern

Anno Fricke

Die bundesweit im Bauträgergeschäft tätige Freiburger Immobilienfirma Thomae und Partner (TuP) AG wird abgewickelt und eingestellt. Die Forderungen, die gegen die Aktiengesellschaft in Insolvenz bestehen gehen "Richtung 90 Millionen Mark", wie der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Heinz Pantaleon aus Freiburg, bestätigte. Die Hauptfirma des Immobilienfonds-Initiators Werner Thomae ist seit dem 4. April im Insolvenzverfahren. Geschädigt sind die rund 300 Aktionäre, die seit Gründung der AG 1996 zusammen für fünf Millionen Mark Aktien gekauft haben. Von den 38 Beschäftigten sind nur wenige in einer Auffanggesellschaft, der Hausbesitzverwaltungs (HBV) GmbH, untergekommen, die jetzt die Fonds-Verwaltungen übernommen hat.

Die Thomae und Partner AG stand auf zwei Beinen. Einmal baute und verwaltete sie Wohnungen für in Deutschland lebende Angehörige der Nato-Streitkräfte. Dafür übernahm der Bund langfristige Mietgarantien. Vor allem Besserverdiener nutzten die Angebote, um Steuern zu sparen. Zum anderen entwickelte die TuP AG seit 1992 geschlossene Immobilienfonds, zuletzt auch in den neuen Bundesländern und verkaufte sie als so genannte Wohnbesitz-Anteile. Insgesamt hat Thomae zehn Fonds mit einem Volumen von rund einer halben Milliarde Mark aufgelegt. Damit wollte Thomae Kleinverdienern (60 000 Mark Bruttojahreseinkommen bei Ledigen, 75 000 bei Verheirateten) laut Eigenwerbung die Chance bieten, Beträge ab 30 000 Mark anzulegen, damit Steuern zu sparen und sich so günstig Immobilienvermögen als Altersvorsorge aufzubauen. Die Prospekte versprachen Steigerungen der Mietausschüttungen auf bis zu 20 Prozent und annähernd 30-prozentige Wertzuwächse bei den Immobilien.

Diese unrealistischen Annahmen kritisierte schon 1995 die Zeitschrift "Finanztest". Geschlossene Immobilienfonds, wie Thomae sie betrieb sind Geldanlagemodelle auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt, die nicht der Kontrolle durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen unterliegen. Kenner des grauen Marktes hielten die teil- und zeitweise garantierten Eingangsmietpreise in den Objekten um bis zu 20 Prozent überhöht, die Fondsberechnungen in der Folge somit für falsch - und haben Recht behalten. In Schreiben an die Anleger erklärt die Immobilienfirma ihre Pleite folgendermaßen: "Die Thomae und Partner AG hatte alle acht Fonds (...) in den vergangenen Jahren zum Teil ganz erheblich unterstützt (zum Beispiel durch Mietgarantien, freiwillige Mietzuzahlungen, Übernahmeprovisionen und ähnlichem). Der Grund für diesen Beistand war, daß die Thomae und Partner AG die von ihr initiierten Fonds durch die schon seit 1995 anhaltende Krise des Immobilienmarktes hindurch unterstützen wollte." Die Krise vor Augen hat TuP aber auch nach 1995 noch für sieben Fonds mit einem Volumen von rund einer halben Milliarde Mark Anleger mit völlig unrealistischen Mietkalkulationen geködert.

Auf der Gläubigerversammlung wurde nun bekannt, dass fünf Immobilienbesitz-Kommanditgesellschaften 38 Millionen Mark von TuP zurück haben wollen. Dabei handelt es sich um die Liquiditätsreserven dieser geschlossenen Immobilienfonds, die Thomae teilweise zur Finanzierung neuer Fonds verwendet hat.

Die Banken sind ebenfalls im Visier der Anlegervertreter. Möglicherweise liegt Bankenhaftung vor, wenn die Banken nicht nur den Erwerb der Beteiligung des Anlegers finanziert haben, sondern bereits vorher in die Projektfinanzierungen Thomaes eingebunden waren. Dann hätten sie ihre Erkenntnisse über die Bonität Thomaes vor Abschluss des Kreditgeschäftes an den Anlagewilligen weiter geben müssen. Hauptgläubigerin ist neben den Fonds die Kreissparkasse Böblingen mit acht Millionen Mark. Umfassende Geschäftsbeziehungen bestanden auch zur baden-württembergischen L-Bank und zur BHW-A-Bank.

Wenn, was zu befürchten ist, in der Folge der Insolvenz der Thomae und Partner AG auch die Immobilienbesitz-Kommanditgesellschaften ins Trudeln geraten, sind Verluste der Kleinanleger von um die 50 Prozent möglich. Mittlerweile sind die Gewinnausschüttungen der Fonds bis auf weiteres völlig eingestellt worden.

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