Wirtschaft : Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler muss gehen Eigentümer Karstadt-Quelle und Lufthansa unzufrieden

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(ro). Der Vorstands und der Finanzchef des zweitgrößten europäischen Reisekonzerns Thomas Cook haben überraschend ihre Ämter niedergelegt. Stefan Pichler und Norbert Kickum zogen damit die Konsequenzen aus offenbar heftiger Kritik, die ihnen am Donnerstagabend in der Aufsichtsratssitzung entgegengebracht worden war. Offenbar ist man bei Lufthansa und Karstadt-Quelle, die zu gleichen Anteilen Thomas Cook kontrollieren, mit Strategie und Geschäftsentwicklung unzufrieden. Vorerst leiten Karstadt-Vorstandsmitglied Peter Gerard und Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley den Reisekonzern.

Karstadt-Quelle hatte am Donnerstag wegen der schlechten Zahlen von Thomas Cook eine Gewinnwarnung für 2003 ausgegeben. Tatsächlich ist die Geschäftslage bei Thomas Cook noch schwieriger als bislang angenommen. Den bis zum dritten Quartal aufgelaufenen Vorsteuer-Verlust von 231 Millionen Euro dürfte das Unternehmen auch in den letzten drei Monaten von August bis Oktober nicht aufgeholt haben. Nach Auffassung von Analysten werden Pauschalreisen aufgrund des harten Wettbewerbs derzeit oft unter Kosten verkauft. Pichler hatte jedoch noch Anfang Oktober von einer bevorstehenden Trendwende gesprochen. Eigentlich wollte er seinen beiden Aktionären im nächsten Jahr wieder positive Zahlen liefern.

Beobachter attestieren Pichler zwar, nicht zu spät auf die Krise im Tourismusgeschäft reagiert zu haben. Aber die Stilllegung von 13 Flugzeugen und die Zusammenlegung von Condor und Condor-Berlin reichen offenbar ebenso wenig aus wie ambitiöse Sparprogramme und der Abbau von bis 1 200 Arbeitsplätzen. Dem Vernehmen nach wollte der geschasste Vorstandschef am Donnerstagabend ein weiteres Konzept zur Verbesserung der Zahlen vorlegen, stieß damit offenbar aber auf wenig Gegenliebe.

Offiziell wollten weder Lufthansa noch Karstadt die Entscheidung kommentieren. Die in der Mitteilung genutzte Formulierung von einer Trennung im „guten gegenseitigem Einvernehmen“ deutet allerdings auf großen Unmut bei den beiden Anteilseigner hin. „Die Geduld war erschöpft“, sagte ein Lufthansa-Manager dem Tagesspiegel. Pichler und Kickum müssen nicht nur wegen der schlechten Geschäftslage gehen, offenbar gibt es auch Differenzen über die Strategie und die Kommunikation zwischen Thomas Cook und den beiden Muttergesellschaften. Der ehemalige Lufthansa-Vorstand Pichler steht seit 2000 an der Spitze von Thomas Cook, die damals C&N Touristic hieß. Es war Pichler, der bei Thomas Cook einen aggressiven Expansionskurs gefahren ist: Unter seiner Führung übernahm die damalige C&N 2000 den französischen Konkurrenten Havas Voyages und ein Jahr später die britische Thomas Cook für rund eine Milliarde Euro.

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