Wirtschaft : Thomas Cook erholt sich

Reisetochter von Karstadt-Quelle und Lufthansa zählt mehr Gäste und will 2005 die Wende schaffen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook spart sich gesund. Die gemeinsame Touristik-Tochter von Karstadt-Quelle und Lufthansa will im laufenden Geschäftsjahr auch nach Steuern Gewinn machen und damit den beiden Eigentümern wieder eine Dividende überweisen. Im vergangenen Jahr verringerte Thomas Cook den Verlust weniger stark als geplant. Sonderlasten in Frankreich und bei der Clubmarke Aldiana machten dem Reisekonzern einen Strich durch die Rechnung.

Wie hoch der Gewinn im laufenden Jahr ausfallen wird, ließ Vorstandschef Wolfgang Beeser am Montag in Frankfurt allerdings offen. „Die ersten Zwischenziele der auf zwei Jahre angelegten Sanierung haben wir ohne Ausnahmen erreicht“, sagte der Manager.

Im Geschäftsjahr 2003/2004 wurde der Vorsteuerverlust immerhin auf rund 149 Millionen Euro halbiert. Im ersten Quartal von Oktober bis Dezember mit der traditionell schwachen Wintersaison verbuchte das Unternehmen bei einem Umsatzplus von 6,4 Prozent nach Steuern noch ein Minus von 100 Millionen Euro, 21 Prozent weniger als im Vorjahr.

Thomas Cook war unter anderem durch die Terroranschläge in New York, Bali und Djerba, aber auch durch Missmanagement in Schieflage geraten. Sie hatte Ende 2003 zur Ablösung von Vorstandschef Stefan Pichler geführt. Sein Nachfolger leitete eine harte Sanierung ein, der in Deutschland zehn Prozent und weltweit rund fünf Prozent der Arbeitsplätze zum Opfer fielen. Die verbliebenen rund 24600 Mitarbeiter müssen länger arbeiten und Gehaltseinbußen hinnehmen, auch die Bezüge des Vorstandes wurden um zehn Prozent gekürzt. Die Tochter Condor verkaufte zehn Flugzeuge, um dadurch die unbefriedigende Auslastung der Flotte zu verbessern. Zudem wurden die Garantiezusagen für die Vertragshotels nahezu halbiert.

Alle eingeleiteten Maßnahmen haben sich nach Angaben von Beeser ausgezahlt und damit wesentlich zur Verbesserung des Ergebnisses beigetragen. Im eigentlichen Tourismus- und Flugbetrieb erzielte Cook 2003/2004 wieder einen Überschuss von 22 Millionen Euro, nachdem zuvor noch ein Verlust von 80 Millionen Euro aufgelaufen war. Im Deutschland-Geschäft steckt Cook allerdings wegen hoher Abschreibungen noch mit 30 Millionen Euro in den roten Zahlen. Die Zahl der Gäste konnte das Unternehmen erstmals seit zwei Jahren wieder um gut vier Prozent auf 13,1 Millionen steigern. Der Umsatz erhöhte sich um 3,3 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz erneut um drei bis vier Prozent steigen. Beeser ist auch deshalb zuversichtlich, weil die Buchungen derzeit gut fünf Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.

Immer wichtiger wird für Thomas Cook der Vertrieb über das Internet, über Call- Center und über Anbieter im Fernsehen. 500 Millionen Euro wurden 2003/2004 über diese Vertriebswege umgesetzt. Beeser beziffert den Umsatzanteil auf rund sieben Prozent mit „steigender Tendenz“. Allein in Deutschland wurden über das Internet Reisen und Flüge für rund 74 Millionen Euro verkauft – ein Plus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der elektronische Vertrieb soll nach den Worten des Thomas-Cook-Chefs ein Schwerpunkt der Investitionen bleiben.

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