Wirtschaft : Thomas Cook hofft auf neue Reiselust

Reisekonzern schreibt nach Übernahme im laufenden Jahr rote Zahlen / Zahl der Buchungen steigt aber wieder an

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Frankfurt (Main) (ro/dpa/rtr). Beim Touristik-Konzern Thomas Cook (früher: C&N Touristik) drückt die Reiseflaute weiter auf das Geschäft. Auch wenn die Buchungen im Sommer wieder angezogen haben, wird Deutschlands zweitgrößter Reisekonzern im laufenden Geschäftsjahr 2001/2002, das am 31. Oktober endet, das Ergebnis des Vorjahres nicht erreichen. „Wir schließen vor Steuern und Abschreibungen zwar deutlich positiv ab, aber unter Vorjahr“, sagte Vorstandschef Stefan Pichler am Montag in Frankfurt (Main). Vor Jahresfrist hatte der Touristik-Konzern Thomas Cook ein Ergebnis von gut 150 Millionen Euro erreicht.

Die Belastungen aus der Übernahme der britischen Thomas Cook werden allerdings unter dem Strich für ein negatives Ergebnis sorgen. Im kommenden Jahr will der Reisekonzern nach Angaben von Finanzdirektor Matthias Heck aber sowohl vor Steuern als auch nach Steuern wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Konzernumsatz solle nach einem Rückgang in diesem Jahr wieder zwischen drei und vier Prozent steigen, sagte Finanzdirektor Heck.

Immerhin konnte das gemeinsame Tochterunternehmen von Lufthansa und Karstadt-Quelle das dritte Quartal von Mai bis Juni mit einem höheren Ergebnis abschließen als vor einem Jahr. Vor Steuern lag der Gewinn bei knapp 181 Millionen Euro und damit um 7,2 Prozent höher als im dritten Quartal 2000/2001. Dagegen schrumpfte der Umsatz um neun Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Für die ersten neun Monate weist das Unternehmen einen Verlust vor Steuern von knapp 160 Millionen Euro aus nach 16 Millionen Euro in der entsprechenden Vorjahres- Periode. Allerdings ist das Ergebnis wegen der Übernahme der britischen Thomas Cook nicht vergleichbar.

Der nach TUI und Mytravel drittgrößte europäische Reisekonzern leidet nach Angaben von Vorstandschef Pichler wie die Konkurrenz unter der schwachen Reisenachfrage nach den Terroranschlägen in den USA und dem Anschlag in Djerba im Frühjahr. Daneben sorge die schwache Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit nun auch im Mittelstand für Zurückhaltung. „Und dies ist unsere Hauptzielgruppe“, sagte Pichler. Gefragt sind auch bei Thomas Cook wieder verstärkt Bahn- und Busreisen. Daneben ist der Anteil von Last-Minute-Reisen auf rund ein Drittel gestiegen.

Ende August registrierte Thomas Cook neun Prozent weniger Buchungen als vor Jahresfrist. Gegenüber dem Stand von Ende Juni war dies gleichwohl eine Verbesserung. „Das touristische Geschäft zeigt also Anzeichen von Erholung“, gab sich Pichler optimistisch. In Deutschland allerdings, wo der Konzern 45 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, lagen die Buchungen Ende August noch 12,4 Prozent im Minus.

Um der geringeren Nachfrage gegenzusteuern, nahm das Management elf Prozent der Flugzeug- und Hotelkapazitäten vom Markt und konnte höhere Preise durchsetzen. Konzernweit seien in etlichen wichtigen Zielgebieten bis Ende Juli Einbußen aufgelaufen – am stärksten mit minus 40 Prozent in Tunesien. Im traditionell aufkommensstärksten Ferienziel Spanien lag das Minus bei 13 Prozent. Um 60 Prozent zulegen konnte dagegen das eher preiswerte Reiseziel Bulgarien.

Pichler ist sicher, dass auch die neue Marketing-Strategie des Unternehmens und die damit verbundene Konzentration auf die Marken Thomas Cook und Neckermann mittelfristig das Geschäft beleben wird. Hier zu Lande sind bereits 200 Reisebüros umgestellt, die Umlackierung der rund 86 Flugzeuge des Konzerns vom Schriftzug Condor auf Thomas Cook ist ebenfalls in vollem Gange.

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