Thomas Cook : Reiseveranstalter erzielt Rekordergebnis

Nach einem scharfen Sanierungskurs hat Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook ein Rekordergebnis vorgelegt. Der Gewinn unter dem Strich stieg um rund 62 Prozent auf fast 171 Millionen Euro.

Oberusel - Der Umsatz legte im Geschäftsjahr 2005/2006 (31. Oktober) gleichzeitig um 1,6 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Euro zu. Die Konzernspitze blickt mit gedämpftem Optimismus ins kommende Jahr. Derzeit gebe es eine kleine Umsatzsteigerung für den Winter, aber ein geringfügiges Minus für den nächsten Sommer. Das Minus werde von Woche zu Woche kleiner. "Wir sind überzeugt, dass wir am Ende des Geschäftsjahres wieder auf ein gesundes Wachstum zurückblicken können", sagte der neue Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa, der im Dezember Thomas Holtrop abgelöst hatte und wieder stärker auf die klassische Pauschalreise setzt.

"Abstand zu Tui weiter verrringert"

13,6 Millionen Gäste (plus 2,8 Prozent) buchten bei Thomas Cook eine Reise, davon 4,7 Millionen bei den deutschen Veranstaltern wie Neckermann. "Damit hat Thomas Cook seine Position als klare Nummer zwei im deutschen Markt ausgebaut und den Abstand zum Marktführer Tui weiter verringert", sagte Finanzvorstand Ludger Heuberg. Der zweite große Markt für Thomas Cook ist Großbritannien. Auch dort habe man trotz leichter Umsatzeinbußen Marktanteile gewonnen.

In den Finanzzahlen sind eine Reihe von Sonderfaktoren enthalten. So wurden durch den Verkauf unter anderem des Cluburlaub-Anbieters Aldiana und des Geschäfts in Indien Buchgewinne erzielt. Auf der anderen Seite musste zum Beispiel allein die Flugtochter Condor 105 Millionen Euro mehr für Kerosin ausgeben.

Vorstandschef Fontenla-Novoa betonte, er wolle entgegen anders lautenden Spekulationen an der Condor festhalten. "Condor ist einer von insgesamt drei Kerngeschäftsbereichen der Thomas Cook AG, und das soll auf jeden Fall so bleiben", sagte er. Trotz der gestiegenen Treibstoffpreise sei die Condor "eine der wenigen wirklich profitablen Fluggesellschaften in Deutschland". Eine Flottenreduzierung stehe auch nicht an.

Partnerschaft mit Lufthansa wichtig

Hintergrund der Spekulationen ist die Einigung der beiden bisher zu 50 Prozent an dem Konzern beteiligten Unternehmen KarstadtQuelle und Lufthansa, nach dem Lufthansa ihren Anteil für 800 Millionen Euro an KarstadtQuelle abgibt. Zugleich wird Lufthansa dann aber knapp 25 Prozent direkt an der Condor halten. Fontenla-Novoa sagte, er würde Condor gerne zu 100 Prozent im Konzern sehen, in den nächsten zwei Jahren sei aber die Partnerschaft mit Lufthansa noch wichtig.

Der im Kern aus der Fusion des Veranstalters Neckermann Reisen und des Ferienfliegers Condor entstandene Thomas-Cook-Konzern war in den Jahren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA an den Rande des Ruins geraten. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt um weitere 3500 auf knapp 20.000. Ohne den Verkauf von Beteiligungen ergäbe sich noch ein Minus von 590 Mitarbeitern. Laut Finanzvorstand Heuberg wird der Stellenabbau auch in Zukunft noch anhalten.

Kerngeschäft von Thomas Cook ist dem neuen Geschäftsbericht zufolge, den Kunden eine breite Auswahl an Pauschalreisen, Komponenten und Services anzubieten, die auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wachstum soll nun durch Reisebausteine oder auch Finanzdienstleistungen rund um die Reise kommen. Vom ursprünglichen Ideal des voll integrierten Konzerns, der neben Veranstaltern auch Reisebüros, Hotels und Fluglinien betreibt, hat sich Thomas Cook seit 2004 schrittweise getrennt. (tso/dpa)

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