Wirtschaft : Thomas Cook streicht 500 Stellen

Konzernchef Stefan Pichler erwartet auch für das kommende Jahr keine Erholung am Reisemarkt

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Frankfurt (Main) (ro). Deutschlands zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook wird wegen der anhaltenden Flaute im Tourismusgeschäft weltweit rund 500 Stellen streichen. „Wir leiden unter einer TourismusRezession“, sagte Unternehmenschef Stefan Pichler dem Tagesspiegel. Die Terroranschläge, hohe Arbeitslosigkeit, die schwache Konjunktur, Börsenflaute und die allgemeine Verunsicherung der Verbraucher hätten die touristische Nachfrage in Deutschland reduziert. Das trifft Thomas Cook besonders, weil das Unternehmen rund 45 Prozent seiner Umsätze in Deutschland erzielt. Auch im kommenden Jahr rechne Pichler nicht mit einer Erholung.

Der geplante Stellenabbau ist Teil des Restrukturierungsprogramms, das der Aufsichtsrat am Freitag gebilligt hatte. Ziel ist nach Unternehmensangaben, die Tochtergesellschaft von Lufthansa und Karstadt-Quelle in Deutschland neu zu positionieren. Strukturen und Kapazitäten sollen der gesunkenen Nachfrage angepasst werden. Dabei würden alle Betriebsabläufe überprüft. Sechs der 49 Condor-Flugzeuge würden stillgelegt, auch Hotel-Garantien sollen reduziert werden, sagte Pichler. Auch beim Personal werde es Anpassungen geben. „Aber wir werden dies sozialverträglich regeln, Entlassungen gibt es nicht.“ Der Tourismuskonzern will bis Ende 2003 durch natürliche Fluktuation Stellen einsparen. Details müssten noch geklärt werden. Nach Unternehmensangaben sind auch 150 Piloten von den Sparmaßnahmen betroffen.

Ein Thomas-Cook-Sprecher bestätigte am Wochenende indirekt, dass der Konzern im Ende Oktober beendeten Geschäftsjahr 2001/02 einen Nachsteuerverlust von über 100 Millionen Euro zu verkraften hat. Wenn diese Zahl aus dem Aufsichtsrat komme, gebe es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie stimme, sagt er.

Konzernchef Pichler rechnet für das gerade angelaufene Touristikjahr 2002/03 mit einem Nachfragewachstum von drei bis vier Prozent. Voraussetzung sei, dass es keinen großen Krieg gebe. „Das Niveau von 2001 und der Jahre davor werden wir aber nicht erreichen“, sagte Pichler. „Normale Verhältnisse sind das noch lange nicht.“

Das Unternehmen will trotz der angekündigten Sparmaßnahmen wachsen. „ Wir wollen wachsen und werden erheblich in die Ausweitung des Angebots investieren“, sagte Pichler. Geplant sei, die Palette des Hotel-Angebots auszuweiten und mit Thomas- Cook-Airlines, also Condor, wesentlich mehr Ziele anzufliegen. Die Langstrecke aus Deutschland heraus werde im Sommer über 20 Prozent aufgestockt. Außerdem sollen die Preise bei Neckermann im Winter und Sommer je nach Ziel um bis zu zehn Prozent sinken. „Das gilt für 80 Prozent des Angebots“, sagt Pichler. Einkaufsvorteile bei den Hotels würden dabei voll an den Verbraucher weitergegeben.

Pichler bestritt aber, dass die klassische Pauschalreise am Ende ist. „Diese Sicht ist völlig falsch“, sagt er. Fakt aber sei: „Auch in der Touristik bricht die Mitte weg. Das Geschäft polarisiert sich am unteren und oberen Ende. Am unteren Rand läuft der Wettbewerb vor allem über den Preis.“ Das zeige das Beispiel Neckermann.

Trotz der gegenwärtigen Flaute geht Pichler auch davon aus, dass Tourismus-Industrie vor einem neuen Wachstumsschub steht. „Wenn wir aus dem derzeitigen Wellental heraus sind, wird es wieder deutlich nach oben gehen, durch neue Angebote, durch neue Ziele und auch dadurch, dass die Menschen häufiger kürzer Urlaub machen.“

Thomas Cook zählt zu den führenden Reiseveranstaltern in Deutschland. Der Konzern umfasst weltweit 30 Marken, 3600 Reisebüros und eine Flotte von 86 Flugzeugen in fünf Ferienfluggesellschaften. Die Anteile an Thomas Cook halten zu jeweils 50 Prozent die Lufthansa und der Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle. Am Freitag wurde Lufthansa-Chef Jürgen Weber (61) zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden von Thomas Cook gewählt. Er löst damit Walter Deuss (67) ab, der diese Funktion drei Jahre ausübte. Deuss, der bis September 2000 Vorstandsvorsitzender von Karstadt-Quelle war, scheidet aus Altersgründen aus dem Aufsichtsrat aus.

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