Wirtschaft : Thomas Frank: Das falsche Versprechen...: Abrechnung mit der New Economy

Henrik Mortsiefer

Der erbärmliche Zustand der New Eco-nomy nach dem Abklingen des Börsenrausches scheint den Skeptikern Recht zu geben: Die Revolution der Netz-Ökonomie ist gescheitert. Pleiten und Entlassungen haben die neue Wirtschaft als Spekulationsblase entlarvt. Die Kreativität der Internet-Manager erschöpfte sich bei der Präsentation glänzender Geschäftspläne. Verwirklicht wurden die wenigsten. Stattdessen haben sich die Hipster mit den lässigen Umgangsformen eine goldene Nasen verdient. Verloren haben die gutgläubigen Anleger. "Die New Economy ist eine arglistige Täuschung", meint denn auch der amerikanische Publizist Thomas Frank. In "Die falschen Versprechen der New Economy - Wider die neoliberale Schönfärberei" unternimmt Frank zum Beweis eine Zeitreise in die 90er Jahre. Jene Gründerzeit, in der das Internet erschlossen wurde. In Franks Retrospektive wird dann gründlich aufgeräumt. "Dies ist die Studie über die Unternehmenskultur und die Art, wie Ideen aus der Wirtschaft sich auch in der Kultur im Allgemeinen widerspiegeln." So nüchtern Thomas Frank sein Programm formuliert, so entschlossen wirft er es anschließend Seite für Seite über den Haufen. Herausgekommen ist keine historische Bestandsaufnahme, sondern eine leidenschaftliche Abrechnung mit dem, was der Autor "Marktpopulismus" nennt: Der Markt bringt nicht nur Angebot und Nachfrage zusammen, sondern er ist ein Mittel zum Erreichen von Zustimmung geworden. Eine "Demokratie des Supermarkts". Ärgerlich für den Leser des Buches: Franks in weiten Teilen zutreffende, bös-ironische Diagnose einer "magischen Zeit", in der ökonomische Gesetze außer Kraft schienen, gibt sich bis zur Schmerzgrenze klassenkämpferisch. Dies gipfelt in der These, die New Economy sei in Wahrheit nur "die Umsetzung des letzten Punktes auf der langen Tagesordnung der reichsten Klassen der Nation" gewesen. Zu viel Ideologie in einer Kampfschrift gegen die Markt-Ideologen.

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