Thomas Lindner : „Kein Spielraum für höhere Löhne“

Der Präsident des Maschinenbaus, Thomas Lindner hält den Aufschwung ist stabil.

Thomas Lindner, Nadelhersteller von der Schwäbischen Alb, wurde kürzlich zum Präsidenten des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus gewählt.
Thomas Lindner, Nadelhersteller von der Schwäbischen Alb, wurde kürzlich zum Präsidenten des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus...Foto: picture alliance / dpa

Herr Lindner, wie nachhaltig ist der Aufschwung im Maschinenbau?

Das ist eine gute Frage, leider ergibt sich hier immer erst im Nachhinein wirklich Gewissheit. Aber an unserer Prognose für 2011 können Sie erkennen, dass wir mit einer Fortsetzung des Aufschwungs rechnen. Schon seit Jahren ist eine geschäftliche und politische Machtverschiebung in Richtung Asien im Gang. Auch in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise war unser Geschäft mit Asien kaum betroffen. Rund die Hälfte des Exportzuwachses des Maschinenbaus der letzten Jahre kam aus dieser Region.

Und was passiert, wenn sich das Wachstum dort verlangsamt?
Unsere Branche ist weltweit gut aufgestellt. Zwar hat Asien mittlerweile einen Anteil von fast 28 Prozent an den deutschen Maschinenexporten. Heimatbasis unserer Industrie ist aber immer noch die EU-27 mit ihrem Anteil von 47 Prozent an unseren Exporten. Dazu kommen intensive Geschäftsbeziehungen mit Nordamerika und aufstrebenden Ländern wie Russland. Damit ist der deutsche Maschinenbau in der Triade Europa-Nordamerika-Asien gut verwurzelt.

Wo sehen Sie Risiken? Rohstoff-Preise? Euro-Kurs? EU-Staatsschuldenkrise? Neue Blase an den Finanzmärkten?
Keines der genannten Risiken lässt sich derzeit ausschließen. Die Rohstoffpreise treffen alle Wettbewerber. Ein Wiedererwachen der EU-Staatsschuldenkrise würde den stärkeren Eurokurs dämpfen. Was eine mögliche neue Blase an den Finanzmärkten angeht, sehe ich noch wenige Anstrengungen, diese zu verhindern. Klar ist, dass der gegenüber dem US-Dollar wieder recht hoch bewertete Euro schnell auf die Erträge drückt. Aber insgesamt bleibt der Aufschwung in Takt.

Bekommen die Unternehmen die gewünschten Kredite zu fairen Konditionen?
Den meisten Unternehmen ist es gelungen, durch die Krise hindurch mit ihren Banken eine stabile Finanzierung auf die Beine zu stellen. Allerdings war es teilweise sehr schmerzhaft, weil die Banken Unternehmen im Rating abgestuft, zusätzliche Sicherheiten, Kapitaleinschüsse, hohe Gebühren und teilweise hohe Zinsen gefordert haben.

China wird zunehmend auch Konkurrent. Macht Ihnen das Sorge?
Zwar haben deutsche Maschinenbaufirmen, die dort aktiv sind, in vielen Feldern noch die Nase vorn. Viele Maschinenbauer stellen Sondermaschinen her und besetzen damit Nischen, die nicht leicht zu erobern sind. Vor allem Produzenten, die Maschinen in Serienfertigung bauen, müssen auf der Hut sein. Hier gibt es für unsere Mitglieder die größeren Herausforderungen. Ständige Innovationen bleiben das Gebot.
Nach dem rasanten Aufschwung hierzulande wird auch in der Politik der Ruf nach Lohnerhöhungen lauter. Wie groß ist der Spielraum?
Ich kann solche Forderungen nur begrenzt nachvollziehen. Wir sind in einer Phase der zügigen Besserung, aber als Branche sind wir zum einen konjunkturell noch nicht über den Berg, zum anderen haben wir die finanziellen Belastungen der Krise noch nicht verdaut. Dazu gehört der enorme Aufwand der Unternehmen für die Kurzarbeit, der auch den Arbeitnehmern zugute kam. Im Übrigen sieht der geltende Metalltarifvertrag die Möglichkeit vor, die für Frühjahr 2011 vereinbarte Lohnerhöhung vorzuziehen, falls die Ertragslage das erlaubt.

Die IG Metall beklagt, dass trotz Aufschwungs kaum neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Tatsächlich zählte der Maschinenbau zuletzt mit rund 905 000 Mitarbeitern 26 000 weniger als vor Jahresfrist. Wann ändert sich der Trend?
Unsere Unternehmen haben in der Krise bis über die Grenzen des betriebswirtschaftlich Vertretbaren an ihren Belegschaften festgehalten. Die Arbeitskräfte, die sie für den Aufschwung brauchen, sind daher zum großen Teil bereits im Haus. Überproportional stark war der Abbau allerdings bei Zeitarbeitern, die wir aus Gründen der Flexibilität auch in Zukunft brauchen.

Mit Thomas Lindner sprach Rolf Obertreis.

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