Thomas Middelhoff und Arcandor : Oberlandesgericht Hamm rollt Rechtsstreit um Boni neu auf

Das Oberlandesgericht Hamm sieht offene Fragen im Streit um Flugkosten und Boni, die für Ex-Arcandor-Chef Middelhoff gezahlt wurden. Ab Februar sollen Zeugen gehört werden.

Thomas Middelhoff sitzt seit Ende November in Untersuchungshaft. Foto: dpa
Thomas Middelhoff sitzt seit Ende November in Untersuchungshaft.Foto: dpa

Das Oberlandesgericht Hamm rollt den Rechtsstreit zwischen dem Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und dem Insolvenzverwalter der einstigen Karstadt-Mutter neu auf. Der 8. Zivilsenat sehe in dem Streit um Flugkosten und Boni noch offene Fragen und trete daher in die Beweisaufnahme ein, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Die Kammer erließ im Revisionsverfahren einen sogenannten Hinweis- und Auflagenbeschluss, nach dem der “dienstliche Charakter“ der strittigen Flüge zu klären sei. Der Arcandor-Insolvenzverwalter hatte auf Rückzahlung ungerechtfertigter Boni und Privatflüge auf Firmenkosten geklagt. Middelhoff und der Insolvenzverwalter erhalten nun bis Anfang Februar Gelegenheit, ihre jeweiligen Beweise zu konkretisieren, wie ein Gerichtssprecher sagte. Danach sollten Zeugen gehört werden.

Arcandor hatte hohe Boni bezahlt, obwohl Middelhoffs Abgang bereits feststand

Das Essener Landgericht hatte im dem Zivilverfahren den ehemaligen Spitzenmanager zur Zahlung von 3,4 Millionen Euro verdonnert. Demnach hatte Arcandor hohe Boni an Middelhoff ausgeschüttet, obwohl feststand, dass der Manager den Warenhaus- und Tourismuskonzern verlässt. Zudem erkannte das Gericht “keinen dienstlichen Anlass“ bei mehreren teuren Flügen in gecharterten Jets, die Middelhoff Arcandor in Rechnung gestellt hatte. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller hatte bereits angekündigt, den Rechtsstreit notfalls bis zum Bundesgerichtshof zu treiben.

Middelhoff sitzt seit Ende November in Untersuchungshaft

Wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und Untreue war Middelhoff bereits im November - im Strafprozess - vom Landgericht Essen wegen Untreue zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt und noch im Gerichtssaal festgenommen worden. Wegen Fluchtgefahr sitzt der 61-Jährige, der seinen Wohnsitz in Südfrankreich hat, seitdem in Untersuchungshaft. Dagegen legten die Anwälte Middelhoffs Beschwerde ein, mit der sich ebenfalls das Oberlandesgericht Hamm befassen muss. rtr

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