Wirtschaft : Thomas Stillmann

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Mit dem Luft-Taxi in eine Marktlückemot

Angefangen hat alles an einem Schreibtisch in der West-Berliner-City.Im Oktober 1990, die deutsche Einheit war gerade vollzogen, geht Thomas Stillmann mit einer ­ wie er heute weiß ­ zündenden Idee an den Start: Geschäftskunden oder betuchten Privatleuten will der gebürtige Berliner ein fliegendes Taxi rund um die Uhr zur Verfügung stellen.Was in der Inselstadt bis dahin gegen den Aliierten-Status verstieß, ist seit der Einheit möglich.Stillmann nutzt die Gunst der Stunde, gründet die Windrose Air Flugcharter GmbH und läßt sich, zunächst mit nur einem Flugzeug ausgestattet, am Flughafen Tempelhof nieder.Der Diplom-Volkswirt, zuvor zwölf Jahre lang als Konzert- und Veranstaltungs-Manager tätig, hat eine Marktlücke entdeckt.Heute sind vier achtsitzige Jets "an 365 Tagen im Jahr" für Windrose und die angegliederte Flug-Ambulanz-Zentrale, deren Geschäftsführer Stillmann ebenfalls ist, europaweit unterwegs.Das Unternehmen, das ein- bis zweimal täglich "abhebt", macht fünf Mill.DM Umsatz und beschäftigt zwölf Mitarbeiter, davon acht Piloten. "Ein Anruf genügt, und wir fliegen sie, wann und wohin sie wollen", beschreibt Stillmann den 24-Stunden-Service, der bis zur Komplettbetreuung inklusive Ticketkauf, Hotelreservierung und Anmietung des Leihwagens reicht.Ob nach Murmansk, Maastricht, Oslo oder Nizza ­ Geschäftskunden können, wenn es sein muß, morgens einen Flieger chartern und mittags in der Luft sein.Zudem ist eines der vier Flugzeuge als "Mini-Klinik" für Ambulanzflüge, vor allem für den Transport von Transplantations-Organen, ausgerüstet."Ein für die Transplantation vorgesehenes Herz hat eine Lebensdauer von vier Stunden; da kommt es auf die Zuverlässigkeit unserer Piloten an", erklärt Stillmann nicht ohne Stolz.40 Prozent des Geschäfts wird inzwischen mit Ambulanzflügen bestritten.Im übrigen wolle man eine Ergänzung zu den herkömmlichen Verkehrsmitteln anbieten, betont Stillmann.Den Extra-Service, der vor allem von größeren, mittelständischen Unternehmen, aber auch Großkonzernen und Künstlern genutzt wird, läßt er sich freilich gut bezahlen: 7000 DM für die Distanz Berlin-Krakau dürften Normalflieger abschrecken.Für die fünfköpfige Vorstandsetage lohne sich der Aufwand indes schon, rechnet Stillmann vor. In der Freizeit bleibt der 1952 geborene Unternehmer gerne auf dem Boden, fährt Rad oder widmet sich der Lektüre."Ein erfolgreich abgeschlossenes Geschäft ist wie ein perfekt organisierter Bühnenauftritt", bemerkt Ex-Konzert-Manager Stillmann.Der Flughafen Tempelhof müsse als "Bühne" für den innereuropäischen Business-Flugverkehr unbedingt erhalten bleiben, fordert er."Hier müssen ja keine Jumbos landen." Für die Zukunft hat Windrose allerdings vorgesorgt: 10 Prozent des Geschäfts werden bereits im Büro am Flughafen Schönefeld abgewickelt.

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