Wirtschaft : Thyssen erwartet wieder ein Rekordergebnis

DUISBURG (AP/dpa/ews/HB).Der Düsseldorfer Stahl- und Maschinenbaukonzern Thyssen geht in Topform in die Fusion mit Krupp.Im laufenden Geschäftsjahr, dem letzten vor dem Zusammenschluß, erwartet Konzernchef Ekkehard Schulz das beste Ergebnis der Firmengeschichte.Bereits in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 1997/98 habe Thyssen den Gewinn aus dem operativen Geschäft mit 863 Mill.DM gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.Und für die zweite Jahreshälfte seien die Perspektiven ebenso erfreulich, sagte der Thyssen-Chef am Montag in Duisburg.

Vieles spreche dafür, daß der bisherige Gewinnrekord von 1,7 Mrd.DM aus dem Jahr 1988/89 gebrochen werde.Den größten Sprung nach vorn machte Schulz zufolge der Stahlbereich, der seinen Gewinn mehr als verdoppelte.Doch werde voraussichtlich auch Thyssen Industrie ein neues Rekordergebnis erzielen und die Handelsunion nochmals zulegen, sagte Schulz.

Die Stahltochter profitierte von der glänzenden Branchenkonjunktur, aber auch von der Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder.Europas größter Flachstahlproduzent, die Thyssen Krupp Stahl AG, steigerte ihren Umsatz in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 1997/98 gegenüber dem Rumpfgeschäftsjahr 1996/97 um acht Prozent auf knapp sechs Mrd.DM.Der Umsatz der Thyssen-Stahl-Gruppe wuchs strukturbereinigt sogar um 16 Prozent auf 7,5 Mrd.DM.Mit einem Gewinn vor Ertragssteuern von 468 Mill.DM übertraf die Thyssen Stahl Gruppe in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres bereits das Ergebnis des gesamten vorigen Jahres und lieferte den Löwenanteil des Konzerngewinns, wie der neue Thyssen-Krupp-Stahl-Chef Wolfgang Kohler hervorhob.

Dank des Stahlbooms will das Unternehmen nun die eigentlich für das Jahr 2000 geplante Stillegung des letzten Dortmunder Hochofens erst einmal verschieben.Wo derzeit noch in drei Hochöfen Stahl gekocht wird, soll auf absehbare Zeit zumindest noch ein Ofen die Tradition der Stahlstadt erhalten und dem Konzern ermöglichen, die unerwartet hohe Nachfrage zu befriedigen, hieß es.Allerdings sieht Wolfgang Kohler auch bereits die Grenzen des Booms.Mit einem weiteren Mengenwachstum sei nicht mehr zu rechnen, erklärte er.Die bereits seit mehreren Monaten rückläufigen Auftragseingänge ließen vielmehr einen Abschwung des Wachstumstempos erwarten.Doch sei der Markt nach wie vor "in einer guten Verfassung".Der Personalabbau geht ohnehin weiter.Ende März dieses Jahres beschäftigte die Thyssen-Stahl-Gruppe knapp 36 800 Mitarbeiter, 4400 weniger als sechs Monate zuvor.Dies sei vor allem auf die Trennung von den Langprodukten zurückzuführen, sagte der Manager.Bei Thyssen Krupp Stahl verringerte sich die Zahl der Beschäftigten von April 1997 bis März 1998 um 815.Weitere 3700 Arbeitsplätze sollen bis zum Jahr 2001 abgebaut werden.Kleiner Trost: Der Arbeitsplatzabbau fällt um 1500 Stellen geringer aus, als noch vor sechs Monaten erwartet.Für die Zukunft setzt der Konzern auf eine weitere Stärkung der heimischen Produktionsbasis durch innovative Herstellungsverfahren, aber auch auf eine verstärkte Internationalisierung.So versucht Thyssen nicht nur eine Mehrheit am größten belgischen Stahlunternehmen Cockerill Sambre zu erwerben, sondern ist auch in Brasilien, China, Indien und Polen aktiv.

Die Fusion mit Krupp muß noch von den Aktionären beider Konzerne abgesegnet werden.Dafür sind der 30.November/1.Dezember bei Krupp und der 3./4.Dezember bei Thyssen reserviert.Nun müssen die Anteilseigner auf die Zustimmung eingeschworen werden.Nichts ist dafür besser geeignet als optimale Zahlen.Doch die Stunde der Wahrheit schlägt am 11.September.Dann soll das Umtauschverhältnis präsentiert werden.Alles spricht dafür, daß es in der vom Thyssens Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz Kriwet vorgegebenen Bandbreite zwischen 65 und 68 zugunsten von Thyssen ausfallen wird.Aber je niedriger diese Quote ausfällt, desto lauter wird das Murren der Kleinaktionäre.Deren Anfechtungsklagen könnten dann das Fusionsvorhaben hinauszögern.

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