Wirtschaft : Thyssen-Krupp ächzt unter dem Stahl Hoher Verlust im ersten Quartal

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Teurer Stoff. Ein Mitarbeiter von ThyssenKrupp zieht am Hochofen in Duisburg eine Probe. Foto: dpa
Teurer Stoff. Ein Mitarbeiter von ThyssenKrupp zieht am Hochofen in Duisburg eine Probe. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Der Problemkonzern der deutschen Industrie bestätigte am Dienstag seinen angeschlagenen Ruf. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres (vom 1.10. bis 31.12.11) meldete Thyssen-Krupp einen dreistelligen Millionenverlust. Wieder einmal verhagelte der Stahlbereich das Ergebnis. Und zwar zum einen die nach wie vor defizitären neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Sowie zum anderen hohe Wertberichtigungen auf den Edelstahlbereich und auf den zivilen Schiffbau. Unterm Strich gab es einen Quartalsverlust von 480 Millionen Euro. Und obwohl der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger für den weiteren Jahresverlauf Besserung in Aussicht stellte, reagierten die Anleger mit Verkäufen. Bis zum späten Nachmittag lag die Aktie mit minus 3,8 Prozent an der Spitze der Verlierer im Dax.

Bereits das vergangene Geschäftsjahr hatte Thyssen-Krupp mit einem Verlust von 1,8 Milliarden Euro abgeschlossen, nachdem auf das Stahlwerk in Brasilien ein paar Milliarden Euro abgeschrieben werden mussten. Ekkehard Schulz, Stahlingenieur und langjähriger Vorstandschef, hatte für das Hüttenwerk in Brasilien und ein zweites, den Rohstahl aus Brasilien weiterverarbeitendes Werk im Süden der USA, fast zehn Milliarden Euro ausgegeben. Das waren einige Milliarden mehr als geplant – und dennoch produzieren die beiden, 2010 eröffneten Werke, noch immer Anlaufkosten im dreistelligen Millionenbereich. Wegen dieses Desasters ist Schulz inzwischen aus dem Thyssen–Krupp-Aufsichtsrat ausgeschieden.

Und grundsätzlich wird an der Spitze des Konzerns der Verkauf der Werke in Übersee diskutiert und überhaupt der Stahlbereich zur Disposition gestellt. Dadurch würde Ballast abgeworfen und gleichzeitig könnten womöglich Mittel für Wachstum generiert werden. Aktuell beträgt der Schuldenstand des Konzerns sechs Milliarden Euro, das lässt kaum Spielraum zu für Investitionen zur Stärkung des zweiten Standbeins, der Technologiesparte (Autozulieferung, Anlagenbau, Aufzüge). In diesem Bereich gab es im ersten Quartal immerhin einen Gewinn von gut 400 Millionen Euro. „Unsere Strategie ist richtig, diese Geschäfte in Zukunft noch stärker zu fördern“, kommentierte Vorstandschef Hiesinger, der Anfang 2011 Schulz abgelöst hatte.

Im Mai vergangenen Jahres verordnete Hiesinger dann einen Strategiewechsel. Geschäftsfelder mit 35000 Mitarbeitern und zehn Milliarden Umsatz sollten verkauft werden. Mit der Edelstahlsparte ist er den dicksten Brocken (6,7 Milliarden Euro, 11 700 Mitarbeiter) kürzlich an den finnischen Wettbewerber Outokumpu losgeworden. Hiesinger traut sich zwar keine Prognose für das Gesamtjahr zu, aber immerhin „wird das Ergebnis des ersten Quartals nicht repräsentativ für das Gesamtjahr sein“. Alfons Frese

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