Wirtschaft : Thyssen Krupp arbeitet an einer neuen Strategie

DÜSSELDORF (rtr). Die seit März bestehende Thyssen Krupp AG arbeitet nach Angaben ihres Vorstandschefs Ekkehard Schulz an einer neuen Konzernstrategie. Sie solle dem Aufsichtsrat im Herbst unterbreitet werden, sagte Schulz in Düsseldorf. Kernpunkte seien das Vorantreiben der internationalen Expansion etwa durch Zukäufe, eine verbesserte Ausrichtung auf das Kerngeschäft sowie die Festlegung konkreter Wachstumsziele für die einzelnen Geschäftsbereiche. Das Kapital brauche Thyssen Krupp zum Erreichen der Ziele in absehbarer Zeit nicht zu erhöhen. An den nicht mehr zum Kerngeschäft zählenden Werften wolle der Konzern aber bis auf weiteres festhalten. Den Schwerpunkt beim Ausbau des Auslandsgeschäfts sehe Thyssen Krupp in Asien, sagte Schulz. Dort sei man bislang noch unzureichend vertreten. Im als Heimatmarkt bezeichneten Westeuropa gelte es dagegen in erster Linie, die Marktanteile zu halten. Insgesamt werde der Konzern bereits im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 1998/99 rund zwei Drittel des prognostizierten Umsatzes von knapp 70 Mrd. DM im Ausland erwirtschaften. Bereits jetzt arbeitete rund ein Drittel der Belegschaft von 175 000 Mitarbeitern außerhalb Deutschlands.

Thyssen Krupp hat derzeit 21 Geschäftsbereiche. Nach Ansicht des Vorstandschefs sind das möglicherweise zu viele. Zu den Aktivitäten, von denen sich der Konzern trennen will, zählte der Konzernchef die Spuntwandherstellung von Hoesch und die noch verbliebenen Langprodukte in der Stahlsparte. Bei den Werften hege Thyssen Krupp aber derzeit keine Trennungsabsicht. "Die Werften sind ein kontinuierlicher Ergebnisträger", sagte Schulz vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung. Der Auftragsbestand bei Thyssen Nordseewerken und Blohm + Voss reiche noch fünf Jahre, die Gewinne seien vorhersehbar.

Alles in allem sollten die Erlöse aus den anstehenden Verkäufen ausreichen, Akquisitionen zu finanzieren. Frisches Kapital von der Börse brauche man sich daher erst einmal nicht zu holen, sagte Schulz. Was auf der Einkaufsliste steht, wollte er aber nicht sagen. Die Sparte Automobilzulieferung dürfte im übrigen aus eigener Kraft wachsen. Beim Stahl sei, zumindest in der Rohstahlerzeugung, keine Kapazitätsausweitung geplant. Schulz begrüßte ausdrücklich die angekündigte Fusion des niederländischen Konzerns Hoogovens mit dem deutlich größeren Stahlhersteller British Steel. Hoogovens habe für Thyssen Krupp nie eine Rolle als möglicher Partner gespielt. Die mit der Fusion sicher einhergehenden Kapazitätskürzungen täten der gesamten europäischen Stahlindustrie gut.

Denkbar sei für Thyssen Krupp eine Ausdehnung der Stahlaktivitäten nur in relativ speziellen Arbeitsfeldern wie Anarbeitung, Feuerverzinkung sowie lasergeschweißte Komponenten (tailored blanks). Ein Joint-venture mit der brasilianischen Firma CSN auf diesen Gebieten verlaufe sehr erfolgreich. "So etwas könnten wir uns auch in Osteuropa oder in den USA vorstellen", sagte Schulz. Alles in allem bleibe das Stahlgeschäft aber stark von den Konjunkturzyklen abhängig. Deshalb müsse es das Unternehmensziel sein, in allen übrigen Bereichen genug Gewinn zu erzielen, um konjunkturell unvermeidliche Einbußen beim Stahl ausgleichen zu können.

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