Thyssen-Krupp : Berthold Beitz hinterlässt einen Konzern in der Krise

Nach dem Tod von Firmen-Patriarch Berthold Beitz ist Vorstandschef Heinrich Hiesinger der eigentlich starke Mann. Am Ende könnte nicht mehr viel von Thyssen-Krupp übrig bleiben.

Ein Bild aus alten Tagen: Am Ende machte Berthold Beitz (2. v. l.) Heinrich Hiesinger (r.) zum Konzernchef. Vorgänger Ekkehard Schulz (2. v. r.) musste ebenso gehen wie Gerhard Cromme als Chefaufseher.
Ein Bild aus alten Tagen: Am Ende machte Berthold Beitz (2. v. l.) Heinrich Hiesinger (r.) zum Konzernchef. Vorgänger Ekkehard...Foto: Reuters

Er sei, sagt der Weggefährte, der Berthold Beitz wirklich kannte, am Ende in den Strukturen, die er selbst schuf, gefangen gewesen. „Mit jedem Tag, den BB älter wurde und der Thyssen-Krupp keiner Lösung näherbrachte, wurde das Thema für das Unternehmen sensibler“, sagt er. Und so ist die Lage des Unternehmens, das Beitz 1967 von Alfried Krupp übertragen bekam, tatsächlich: sensibel.

Es war Anfang dieses Jahres, als Beitz noch den Befreiungsschlag suchte. Zermürbt von Skandalen entließ er Gerhard Cromme als Aufsichtsratschef. Ulrich Lehner wird sein Nachfolger. Der eigentlich starke Mann aber ist Vorstandschef Heinrich Hiesinger.

An dem wird es nun liegen, diesen Koloss mit 150 000 Mitarbeitern, 40 Milliarden Euro Umsatz und zuletzt fünf Milliarden Euro Jahresverlust zu drehen. Kurzfristig muss er die Verluste beseitigen, im laufenden Quartal soll er dabei auf einem guten Weg sein. Seitdem der Sohn einer schwäbischen Bauernfamilie Thyssen-Krupp leitet, hat sich vieles verändert. Aber es ist ein Umbruch, an dessen Ende nicht mehr viel von Thyssen-Krupp übrig bleiben könnte.

Berthold Beitz Leben in Bildern
Thyssen-Krupp-Chef Berthold Beitz galt schon zu seinen Lebzeiten als Legende. Er war einer der wichtigsten Manager der deutschen Nachkriegsgeschichte und bis zuletzt starker Mann des größten deutschen Stahlkonzerns. Am 30. Juli verstarb er. Hier einige Eindrücke aus seinem Leben in Bildern.Weitere Bilder anzeigen
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01.08.2013 08:40Thyssen-Krupp-Chef Berthold Beitz galt schon zu seinen Lebzeiten als Legende. Er war einer der wichtigsten Manager der deutschen...

Hiesinger war nie Teil der korrupten Krupp-Welt, aber er muss sie aufarbeiten. Seit er im Herbst 2010 von Siemens kam, hat er einiges bewegt: So stellte er das Edelstahlgeschäft wie auch die Überseestahlwerke zum Verkauf. Hiesinger will die Firmenkultur ändern. Selbst Beitz fragte: Herr Hiesinger, kann der Konzern bestehen? Könne er, war die Antwort. Thyssen-Krupp soll ein diversifizierter Industriekonzern werden, der Aufzüge, Industrieanlagen, U-Boote und Stahl produziert.

Über die Inhalte aber äußert sich der Elektroingenieur nicht. Er pflanzt Ideen in die Köpfe der Mitarbeiter und hofft, dass sie sich entwickeln. Das braucht Zeit. Hiesinger geht Schritt für Schritt. Erst sollen die Stahlwerke in Amerika verkauft werden, dann will er Details zur Zukunft des Konzerns vorlegen.

Eines immerhin könnte jetzt einfacher werden: Thyssen- Krupp braucht frisches Geld. Der einfachste Weg dahin wäre eine Kapitalerhöhung. Die aber war gegen Beitz nur schwer durchzusetzen. Die Krupp-Stiftung hätte nicht mitgehen können und ihre Sperrminorität verloren. Ob sie unter Beitz’ Nachfolger kommt?

Die Stiftung werde in Ruhe über den nächsten Vorsitzenden beraten, schon aus Respekt vor Beitz, sagte der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der Mitglied des Stiftungskuratoriums ist, im WDR. Dass er selbst an die Spitze treten könnte, sei „die kühnste Karriere-Spekulation meines Lebens“, sagte Pleitgen. „An der Geschichte ist nichts dran.“ HB/dpa

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