Wirtschaft : Thyssen-Krupp bietet 3,5 Milliarden für Konkurrenten

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Düsseldorf - Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp hat ein Gegenangebot für den von einer feindlichen Übernahme bedrohten kanadischen Konkurrenten Dofasco vorgelegt. Wie beide Unternehmen am Montag bekannt gaben, habe man sich darauf geeinigt, dass Thyssen-Krupp im Wege einer freundlichen Übernahme Dofasco zum Preis von umgerechnet 3,5 Milliarden Euro erwirbt.

Die Deutschen überbieten damit die Offerte des Luxemburger Stahlkonzerns Arcelor aus der vergangenen Woche um 400 Millionen Euro. Der Deal wäre die erste größte Übernahme des Ruhrkonzerns seit der Stahlfusion der einstigen Rivalen Thyssen und Krupp im Jahr 1997. Gleichwohl reagierte die Börse skeptisch. Der Kurs der im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Thyssen-Krupp-Aktie gab um knapp 1,6 Prozent nach und gehörte damit am Montag zu den größten Verlierern.

Erst in der vorigen Woche hat Arcelor ein feindliches Übernahmeangebot für Dofasco vorgelegt, nachdem monatelange Verhandlungen mit dem kanadischen Management gescheitert waren. Das Dofasco-Management bewertete den anschließend von Arcelor gebotenen Kaufpreis für das Unternehmen als unzureichend ab und riet den Aktionären davon ab, die Offerte vorschnell anzunehmen. Branchenkenner gehen davon aus, dass Thyssen-Krupp und Dofasco schon seit längerem über eine intensivere Zusammenarbeit sprechen.

Arcelor, weltweit Nummer zwei, wollte sich den deutlich kleineren, aber hoch profitablen Nischenanbieter für umgerechnet 3,1 Milliarden Euro in bar einverleiben. Mit der bislang teuersten Übernahme in Nordamerika hofften die Luxemburger, den Zugang zur dortigen Automobilindustrie, ihrer wichtigsten Kundengruppe, zu verbessern. Thyssen-Krupp war in den vergangenen Jahren auf der Rangliste der weltgrößten Stahlunternehmen immer weiter zurückgefallen. Derzeit belegen die Deutschen Platz zehn. Mit der Übernahme von Dofasco würden sie sich auf Rang sechs vorschieben. Dofasco, Nummer eins in Kanada, erzeugt rund fünf Millionen Tonnen Rohstahl pro Jahr.

Das Bietergefecht um Dofasco verdeutlicht den Druck, unter dem die beiden führenden Stahlkonzerne der Welt stehen. Sie investieren ihre aktuellen Rekordgewinne in Zukäufe, um schneller zu wachsen. HB

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