Wirtschaft : Thyssen-Krupp: Börsengang der Stahlsparte abgesagt

Der Thyssen-Krupp-Konzern hat den für September geplanten Börsengang seiner Stahlsparte am Mittwoch überraschend wieder abgesagt. "Das ist sehr bedauerlich, aber wir sehen keine andere Möglichkeit", sagte Vorstandschef Ekkehardt Schulz zu der erst am Vorabend gefallenen Entscheidung. Schulz begründete die Absage mit der derzeit schlechten Bewertung von Stahlwerten und hohen Kosten durch den Börsengang. Durch den Verkauf von zunächst 25 bis 35 Prozent der Anteile an der Traditionssparte des Unternehmens sollten nach den Planungen rund drei Milliarden Mark in die Konzernkasse fließen. Mit einer Ende Juni gestarteten großen Werbekampagne hatte der Düsseldorfer Konzern noch bis zuletzt für den geplanten Börsengang geworben. Die Aktienmärkte reagierten mit einem Kurseinbruch auf die Absage.

Der Konzernchef schloss einen späteren Börsengang der Sparte nicht aus. "Wir werden nun alle Optionen prüfen", sagte Schulz. Aber auch ein Verkauf der Sparte sei eine "theoretisch denkbare Option". Derzeit führe Thyssen-Krupp jedoch keine Verhandlungen mit Interessenten oder strategischen Partnern. Negative Auswirkungen auf die Produktion und die Beschäftigten des Stahlunternehmens seien nun nicht zu erwarten. Bei dem bis zum Jahresende angekündigten Programm zum Konzernumbau werde es allerdings zu Verzögerungen kommen. "Das werden wir jetzt nicht mehr schaffen", meinte Schulz. Der neben dem Stahl-Börsengang geplante Verkauf der Bereiche Werften und Engineering werde nun über den Jahreswechsel hinaus verschoben. "Von der generellen Linie werden wir uns aber nicht abbringen lassen", versicherte er.

Vor dem Hintergrund einer derzeit sehr guten wirtschaftlichen Entwicklung der Stahlsparte bezeichnete Schulz die Absage als "umso bedauerlicher". Mit einem Vor-Steuer-Ergebnis von rund 200 Millionen Euro (391 Millionen Mark) habe Thyssen-Krupp Steel allein im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 1999/00 (zum 30. 9.) mehr erwirtschaftet als im gesamten ersten Halbjahr mit 183 Millionen Euro. Für den Thyssen-Krupp-Konzern kündigte Schulz für das laufende Geschäftsjahr einen "deutlichen Ergebnisanstieg" an. Den Aktionären werde man eine "angemessene Dividende" ausschütten können.

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