• Thyssen Krupp bot angeblich 18 Milliarden - Mannesmann beharrt auf Börsengang - auch Vodafone interessiert

Wirtschaft : Thyssen Krupp bot angeblich 18 Milliarden - Mannesmann beharrt auf Börsengang - auch Vodafone interessiert

Nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone Airtouch droht dem Düsseldorfer Traditionsunternehmen jetzt der Ausverkauf. Thyssen Krupp bekundete am Freitag Interesse an der kompletten Industriesparte Atecs Mannesmann. Durch eine Bündelung der Kräfte würde ein international führender Anbieter entstehen, begründete der Stahlriese die angestrebte Zusammenarbeit. Mannesmann sträubt sich gegen einen möglichen Verkauf von Atecs an Thyssen Krupp und beharrt auf einem Börsengang.

Mit 90 000 Beschäftigten und 12,3 Milliarden Euro Umsatz gehört Atecs zu den führenden Unternehmen in der Automobiltechnik und im Maschinenbau. Laut der "Financial Times Deutschland" soll Thyssen Krupp bis zu neun Milliarden Euro (17,6 Milliarden Mark) für Atecs geboten haben. Vodafone-Vorstandschef Chris Gent stehe einem Verkauf angeblich positiv gegenüber. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens zu den Verkaufsplänen lag nicht vor. Der weltgrößte Mobilfunkbetreiber hatte Anfang Februar nach einer monatelangen Übernahmeschlacht Mannesmann unter seine Kontrolle gebracht. Dabei hatte Vodafone unter anderem zugesichert, die Industriesparte - wie von Mannesmann geplant - an die Börse zu bringen.

Mannesmann bewertete diese Aussagen als eine Verpflichtung. "Vorstand und Aufsichtsrat von Mannesmann sowie Vodafone Airtouch sind verpflichtet, Atecs Mannesmann als Publikumsgesellschaft an die Börse zu bringen", teilte Mannesmann am Freitag mit. Die geschäftlichen Aktivitäten von Atecs und Thyssen Krupp passten außerdem nicht zusammen. Mit den Kapitaleinnahmen aus dem geplanten Börsengang in diesem Sommer solle Atecs auf seinem Wachstumskurs gestärkt werden. Die Mannesmann-Zentrale bestätigte allerdings Gespräche zwischen Vodafone und Thyssen Krupp. Atecs Mannesmann hatte erst am Montag ein Joint-Venture für Autoelektronik mit Siemens bekannt gegeben.

Nach Auffassung von Branchenexperten wäre eine Übernahme von Atecs vor dem Hintergrund des angekündigten Konzernumbaus von Thyssen Krupp hochinteressant. "Für Thyssen Krupp würde ein Zukauf einen Quantensprung bedeuten", sagte Michael Knupfer, Analyst bei der Frankfurter DG-Bank. Das Unternehmen würde als Systempartner der Automobilindustrie eine noch größere Bedeutung haben und in der internationalen Rangliste in die Gruppe der ersten fünf vorstoßen.

Erst Ende vergangenen Jahres hatten die beiden Thyssen Krupp-Konzernchefs Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz einen Börsengang der Traditionssparte Stahl und ein umfangreiches Investitionsprogramm von zwölf Milliarden Mark für die kommenden drei Jahre angekündigt. Allein durch den Börsengang von zunächst 30 Prozent der Stahlsparte sollen noch in diesem Jahr rund drei Milliarden Mark in die Kasse des Konzerns fließen. Konzernchef Cromme hatte eine kräftige Expansion des Düsseldorfer Unternehmens in den Kerngeschäftsfeldern angekündigt. Allein im Bereich Automobilzulieferung hat sich Thyssen Krupp eine Umsatzverdoppelung von zehn auf 20 Milliarden Mark zum Ziel gesetzt. Gleichzeitig will sich Thyssen Krupp von Geschäftsbereichen mit rund 22 000 Beschäftigten und zehn Milliarden Mark Umsatz unter anderem in seinem Bereich Anlagenbau trennen.

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