Wirtschaft : Thyssen-Krupp: Die Konzernspitze legt den Führungsstreit bei

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Die Querelen um die Neuordnung der Konzernspitze bei Thyssen-Krupp sind beendet. Heinz Kriwet gibt seinen Chefposten im Aufsichtsrat vorzeitig zum 31. September ab. An seine Stelle tritt Gerhard Cromme, bisher gemeinsam mit Ekkehard Schulz Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Vom 1. Oktober an soll Ekkehard Schulz als Vorstandsvorsitzender Thyssen-Krupp alleine führen. Auf der Hauptversammlung begrüßten Aktionäre die Änderung in der Führungsspitze.

Cromme wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats und löst dort Heinz Kriwet ab, der aber weiterhin ordentliches Mitglied im Kontrollgremium bleibt. Auf diese "einhellige" Lösung habe sich der Aufsichtsrat am Morgen vor der Hauptversammlung in der Duisburger Mercatorhalle geeinigt, sagte Kriwet, der ferner einräumte, dass die Personaldebatte der jüngsten Zeit dem Unternehmen nicht gut getan habe. Gerüchten über eine interne Lagerbildung zwischen Thyssen und Krupp begegnete Vorstandschef Ekkehard Schulz: "Alle arbeiten kollegial und reibungslos zusammen. Sonst wäre das gute Jahresergebnis 1999/2000 gar nicht möglich gewesen." Schulz verwies zugleich darauf, dass es nach der Fusion von Thyssen und Krupp ein "zügiges Zusammenwachsen" gegeben habe.

Aktionärsvertreter wie Analysten begrüßten die Auflösung der Doppelspitze. "Dies ist ein erster Schritt mit den Traditionen von Thyssen und Krupp zu brechen", sagte ein Vertreter der BHF-Bank. Es sei nun zu hoffen, "dass Personalentscheidungen bei Thyssen-Krupp in Zukunft nicht mehr nach Herkunft getroffen werden". Damit könnte das 1998 fusionierte Unternehmen den angestrebten "Aufbruch in den Weltmarkt" endlich schaffen. Zur Performance der Aktie sagte Cromme: "Wir hoffen, dass der Markt wieder zu einer sachgerechten Bewertung zurückkehrt." Die Börse reagierte am Freitag positiv, Thyssen-Krupp legten rund zwei Prozent zu. Mit der Personal-Rochade bleibt die von Kriwet geforderte Machtbalance im fusionierten Konzern erhalten, wonach Thyssen doppelt so viele Vertreter in Aufsichtsrat stellt wie Krupp. Offen jedoch bleiben Besetzung und Aufgabenverteilung im Vorstand. Die mit neun Mitgliedern besetzte Konzernleitung war in der Vergangenheit wegen ihrer vergleichsweise großzügigen Besetzung in die Kritik geraten. Zum laufenden Geschäftsjahr 2000/2001 zeigt sich der Vorstand eher pessimistisch. Zwar konnte der Konzern im ersten Quartal den Umsatz um 13 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro und den Bruttogewinn um rund 200 Millionen auf 300 Millionen Euro verbessern, doch auf Jahressicht sehe man eine Abschwächung des Geschäftes. Besonders betroffen sei Thyssen-Krupp von der negativen Entwicklung bei Stahl und im Automobilbereich. Konzernchef Schulz hatte noch im Januar einen Anstieg des Vorsteuer-Ergebnisses um 200 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro prognostiziert.

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