Wirtschaft : Thyssen-Krupp-Konzern: Stahl bleibt das Kerngeschäft

Vor dem Hintergrund eines anhaltenden Booms in der deutschen Stahlbranche bleibt die Stahlsparte weiterhin ein Kerngeschäft des Thyssen-Krupp-Konzerns. Nach Absage des Börsengangs der Thyssen-Krupp Steel kündigte der Konzern am Dienstag eine Anpassung der strategischen Neuordnung des seit zwei Jahre fusionierten Unternehmens an. Thyssen-Krupp Steel verfüge über erhebliche Potenziale zur Kostensenkung und ausgezeichnete Entwicklungsmöglichkeiten, schrieb der Vorstand anlässlich der Bekanntgabe der Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr 1999/00 (30. September).

Zwei Jahre nach der Fusion zeigen sich auch die ersten Erfolge des Zusammenschlusses: Vor Steuern kletterte das Ergebnis 1999/00 um mehr als 60 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sei sogar die Marke von drei Milliarden Euro überschritten worden. Zu dieser Entwicklung trug offenbar auch die verbesserte Ertragslage beim Stahl bei. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit 1,3 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern.

Weltweit erhöhte sich der Konzernumsatz um rund 15 Prozent auf 37 Milliarden Euro (72 Milliarden Mark). Zu diesem Anstieg hätten alle Bereiche des Unternehmens beigetragen, besonders aber die Stahlsparte und Automobiltechnik. Durch Zukäufe erhöhte sich auch die Zahl der Thyssen-Krupp-Belegschaft: So waren Ende September 193 000 Menschen in dem Unternehmen beschäftigt, 8000 mehr als eine Jahr zuvor.

Am Markt wurde die überraschende Bekanntgabe der Eckdaten positiv aufgenommen. An der Börse in Frankfurt legte die Thyssen-Krupp-Aktie zur Kasse um knapp drei Prozent auf 16,20 Euro zu, lag damit aber im Trend des Dax. Stahl-Analyst Ralf Dörper von der Düsseldorfer WestLB Panmure sah in den Ergebnissen keine Überraschung: "Wir sind bestätigt worden. Das hat gepasst, auch der Ausblick", sagte er. Positiv auf die Stimmung hätten sich die strategischen Aussagen des Vorstandes ausgewirkt.

Der Verzicht auf den ursprünglich geplanten Gang an die Börse sei nach Grundsätzen des Wertmanagements geboten gewesen, schrieb das Unternehmen. Die "Diskrepanz zwischen steigenden Ergebnissen bei Thyssen-Krupp Steel sowie ihren guten Marktpositionen einerseits und der schwachen Bewertung von Stahlunternehmen generell an der Börse andererseits hätte zu einer massiven Wertevernichtung geführt". Mit mehr als zwölf Milliarden Euro Umsatz sei Thyssen-Krupp Weltmarktführer bei rostfreiem Stahl und in Europa die Nummer zwei bei Qualitätsflachstahl.

Eine weitere Anpassung der Strategie kündigte das Unternehmen bei den Industriegütern an. So werden künftig die Produktionssysteme und Komponenten, Werften und der Anlagenbau in der ThyssenKrupp Invest zusammengefasst. Damit besteht die Konzernstruktur aus sechs operativen Einheiten, die von der Obergesellschaft Thyssen-Krupp AG direkt geführt werden. Am 8. Dezember soll der Aufsichtsrat die veränderte Konzern-Strategie absegnen.

Nicht nur Thyssen-Krupp, auch die gesamte Branche rechnet mit einer weiter positiven Entwicklung. Für das Jahr 2000 werde die Rohstahlproduktion in Deutschland um zehn Prozent auf 46,5 Millionen Tonnen ansteigen, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, am Dienstag in Düsseldorf. "Alle Stahlunternehmen werden erhebliche Ergebnisverbesserungen aufweisen, da sich die Stahlpreise deutlich erhöht haben." Für 2001 rechne die Branche bei einem weiteren Anhalten der positiven Entwicklung mit einer "Verschnaufpause" auf hohem Niveau.

Die deutsche Rohstahlproduktion habe im laufenden Jahr einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung erreicht, sagte Ameling. Im gleichen Zeitraum hatten sich die Stahl-Belegschaften von 206 400 auf derzeit knapp 103 000 mehr als halbiert. Auch weltweit werde in diesem Jahr mit einer Produktion von 850 Millionen Tonnen Rohstahl eine neue Rekordmarke erwartet.

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