Wirtschaft : Thyssen Krupp leidet unter Konjunkturflaute

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Die Thyssen-Krupp AG beginnt ihr neues Geschäftsjahr mit einem Gewinneinbruch. Wegen der weiterhin schlechten Konjunkturaussichten erwartet das Düsseldorfer Unternehmen für das Gesamtgeschäftsjahr deutliche Ergebniseinbußen. Der Gewinn vor Steuern im ersten Quartal (Oktober bis Dezember 2001) des laufenden Geschäftsjahres 2001/2002 liege bei 28 Millionen Euro, ein Jahr zuvor habe dieser noch rund 414 Millionen Euro betragen, teilte Thyssen Krupp am Dienstag in einem Zwischenbericht mit. Die Umsätze verschlechterten sich gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent auf 8,3 Milliarden Euro, während die Auftragseingänge um sieben Prozent auf 8,9 Milliarden Euro zurückgingen.

Mit dem vorliegenden Ergebnis schrammt Thyssen-Krupp nur knapp an den roten Zahlen vorbei, die der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz unbedingt vermeiden wollte. Sein Ziel, im Stahlbereich schwarze Zahlen zu schreiben, konnte der Konzernchef ebenfalls nicht umsetzen. Hier gab es von den sechs Kerngeschäftsfeldern mit minus 26 Millionen Euro den größten Verlust. Der Bereich Stahl trägt ein Drittel zum Konzernumsatz bei. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug der Rückgang 224 Millionen Euro. Probleme bereitet dem Unternehmen auch der Bereich Automobilzulieferung. Mit einer Million Euro Vorsteuergewinn nach 44 Millionen Euro im Vorjahr konnte eine schwarze Null geschrieben werden. Verluste schrieb Thyssen Krupp auch in den Geschäftsfeldern Materials und Technologies. Eine Gewinnsteigerung auf 72 von im Vorjahr 55 Millionen Euro verbuchte das Unternehmen in der Sparte Aufzüge.

Sorge bereitet den Düsseldorfern vor allem der niedrige Stahlpreis. Dieser ist seit Jahren auf Talfahrt und hat derzeit ein Rekordtief erreicht. Nach Ansicht von Schulz ist nicht nur die schleppende Nachfrage nach Stahl Schuld am Preisverfall. Vielmehr sorgten die hohen Überkapazitäten am Markt auch in guten Zeiten für Druck auf die Preise. Seit Jahren steigt die Weltrohstahlerzeugung, im Jahr 2001 erreichte sie die Marke von 820 Millionen Tonnen. Nach Schätzungen von Schulz sind dies rund 100 Millionen Tonnen zu viel. Bei Thyssen-Krupp machen sich die Überkapazitäten vor allem beim Lagerbestand bemerkbar. Wegen der hohen Fertiglager sind zur Jahreswende Produktionsstillstände in Verbindung mit Kurzarbeit notwendig gewesen.

Erste Anzeichen für eine Preiswende sieht Thyssen-Krupp jetzt auf dem nordamerikanischen und asiatischen Markt. Demzufolge kündigte das Unternehmen an, seine Basispreise für unterschiedliche Produkte ab dem 1. April um 30 bis 50 Euro je Tonne zu erhöhen. "Wir rechnen fest damit, die Erhöhungen durchzusetzen", sagte Schulz. Doch für den Großteil des noch laufenden Geschäftsjahres wird das nicht zu großen Entlastungen in der Bilanz führen. "Eine Erholung der weltweiten Wachstumskräfte erwarten wir nicht vor dem zweiten Halbjahr 2002", steht im Zwischenbericht. Es werde zunehmend unwahrscheinlicher, im laufenden Geschäftsjahr die Umsatzzahlen des Vorjahres von 38 Milliarden Euro zu erreichen. Damit stellt sich der Ausblick des Unternehmens pessimistischer dar als zu Jahresbeginn. Im Januar noch sprach Schulz von einem gleichbleibenden Umsatz.

Die schlechten Nachrichten ließen die Märkte am Dienstag jedoch unbeeindruckt. Der Kurs konnte sogar leicht zulegen, weil Marktbeobachter im Vorfeld mit roten Zahlen gerechnet hatten. Die Aktie hat sich nach Ansicht von Aktionärsvertretern unbefriedigend entwickelt. Von knapp 20 Euro vor einem Jahr ist das Papier bis heute auf 17 Euro gefallen. Die Aktionäre werden sich am kommenden Freitag auf der Hauptversammlung in Essen über die Dividende beschweren, die im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15 Cent auf 0,60 Euro je Aktie reduziert wurde. Im laufenden Jahr ist mit einer weiteren Kürzung zu rechnen.

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