Wirtschaft : Thyssen-Krupp muss Milliarden sparen

Der größte deutsche Stahlkonzern baut 2100 Leiharbeiter-Stellen ab, rechnet aber ab Frühjahr wieder mit steigender Nachfrage

Essen - Mit einem milliardenschweren Sparprogramm und dem Abbau von mindestens 2100 Leiharbeitern will der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp auf die Wirtschaftskrise reagieren. Produktionsstillstände, Kurzarbeit oder Personalanpassungen könne man nicht ausschließen, kündigte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Freitag bei der Bilanzvorlage in Essen an. Dies werde jedoch von der „Tiefe und der Dauer der weltwirtschaftlichen Krise abhängen“.

Das laufende Geschäftsjahr 2008/09, das Ende September zu Ende geht, werde deutlich schwächer ausfallen, sagte er – ohne konkrete Zahlen zu nennen. Schulz bezifferte den Umfang eines geplanten Kostensenkungsprogramms auf mehr als eine Milliarde Euro. Geplante Investitionen von rund einer halben Milliarde Euro würden verschoben. Auch die bisherigen Prognosen für Umsatz und Ergebnis wollte der Konzernchef nicht mehr bestätigen. Die Planungen hatten bislang vorgesehen, das Ergebnis vor Steuern und Sondereffekten von knapp 3,5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2007/08 auf „vier bis fünf Milliarden Euro“ zu steigern. Der Umsatz sollte gleichzeitig von 53,4 Milliarden Euro auf „60 bis 65 Milliarden Euro“ klettern.

Auch die Konkurrenten von Thyssen- Krupp haben Probleme in Folge der schlechteren Lage der Industrie. Vor allem die gesunkene Nachfrage in der Autoindustrie macht der Branche zu schaffen. Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor- Mittal hatte am Donnerstag den Abbau von 9000 Stellen weltweit angekündigt, vorwiegend in der Verwaltung. Dies werde auch die vier deutschen Standorte treffen, hieß es – ob auch das Werk in Eisenhüttenstadt darunter ist, bei dem rund 2600 Leute arbeiten, ist noch unklar.

Zwar schloss Thyssen-Krupp-Chef Schulz ein ähnliches Vorgehen wie bei Arcelor-Mittal aus und verwies auf einen höheren Anteil längerfristiger Lieferverträge. Trotzdem gibt es Kürzungen beim Personal, vor allem bei Leiharbeitern. Bislang ist die Trennung von 2100 Leiharbeitern vorgesehen. Das Schicksal von weiteren 1600 Leiharbeitern sei jedoch von der künftigen Entwicklung abhängig. Insgesamt beschäftigt Thyssen-Krupp in seinen fünf Bereichen Stahl, Edelstahl, Aufzüge, Technologie und Service weltweit 200 000 Mitarbeiter.

Nach einem rapiden Einbruch beim Stahl rechnet Thyssen-Krupp bereits im zweiten Quartal 2009 wieder mit einem Nachfrageanstieg. Über die Weihnachtsferien würden aber einige Edelstahlwerke bis zu vier Wochen lang stillstehen. Im übrigen Stahlgeschäft werde das Unternehmen versuchen, den Nachfragerückgang durch den Verzicht auf Zukäufe von Vormaterial zu kompensieren. Die geplanten Investitionen in die Standorte Duisburg und Bochum seien nicht gefährdet. dpa

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