Wirtschaft : Thyssen-Krupp: Schluss mit Dallas an der Ruhr

Alfons Frese

"Oft sind Doppel dann besonders erfolgreich, wenn die Partner unterschiedliche Eigenschaften haben". Ein Zitat aus dem Jahr 1998, ein Zitat von Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz, mit dem sie sich als Führungsduo von Thyssen-Krupp vorstellten. Das Abenteuer mit der Doppelspitze ist jetzt erledigt, Cromme wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats, Schulz hat künftig im Tagesgeschäft das Sagen. Damit steigen die Chancen, dass das Stück "Dallas an der Ruhr" endlich vom Spielplan verschwindet. Die Fusion der traditionsstarken Konkurrenten Thyssen und Krupp war und ist vor allem auf Grund menschlicher Mauscheleien, Kabalen und Kompromisse um Posten und Pfründe eine schwierige Geschichte. Nachdem die Ruhrbarone Berthold Beitz (Krupp-Stiftung) und Heinz Kriwet (Thyssen-Aufsichtsrat) den Zusammenschluss ermöglichten und Thyssen-Chef Dieter Vogel ausgebootet war, mussten reichlich Jobs für die Spitzenkräfte beider Unternehmen geschaffen werden. Deshalb der überdimensionierte Vorstand mit dem Duo vorneweg. Da muss es Abstimmungsprobleme geben, Verzögerungen und Verwirrungen bei der Führung eines der größten deutschen Unternehmen. Nun ist die Fusion nicht gescheitert und Thyssen-Krupp hat für das Jahr 2000 ordentliche Zahlen vorgelegt. Doch der geplatzte Börsengang der Stahlsparte und das erfolglose Bemühen um die Mannesmann-Tochter Atecs haben die Schwächen des Ruhrkonzerns gezeigt. Mit Ekkehard Schulz hat jetzt der Stahlexperte den operativen Hut auf. Vielleicht findet Thyssen-Krupp nun eine Antwort auf die kürzlich erfolgte Fusion von drei europäischen Wettbewerbern zum weltweit größten Stahlkonzern.

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