Wirtschaft : Thyssen sieht seine Zukunft im Dienstleistungsbereich

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Die Geschichte der Ruhrkonzerne ist eine Geschichte der Übernahmen. Stahlkrisen und Billigkonkurrenz aus Fernsot ließen Ende der Achtziger nur noch drei große Namen übrig: Thyssen, Krupp und Hoesch. Der damals neu eingesetzte Krupp Chef Gerhard Cromme erkannte, daß dennoch keines der Traditionsunternehmen eigenständig überleben konnte - Cromme wollte die große Lösung. Nach der Übernahme des Dortmunder Konkurrenten Hoesch arbeiteten die Krupp-Strategen zwei Jahre an einem Überraschungscoup. Für 16 Milliarden Mark sollte im März 1997 die größere Düsseldorfer Thyssen AG vom Essener Krupp-Konzern übernommen werden. Als der Plan ruchbar wurde, brach ein Sturm der Entrüstung über Cromme herein: Wütende Stahlarbeiter empfingen den Krupp-Chef mit Eiern und Tomaten, die Landesregierung fühlte sich hintergangen, die federführende Deutsche Bank fürchtete um ihr Ansehen. Unter massivem Druck der Landesregierung wurden die Kontrahenten an einen Tisch gebracht wenige Wochen später die friedliche Fusion - per Aktientausch - besiegelt.

Der seit dem 1.10.1998 unter dem Namen Krupp-Thyssen operierende Konzern umfaßt fünf Kernbereiche mit derzeit 174 000 Mitarbeitern. Rund ein Drittel der Beschäftigten ist immer noch im stark zyklischen Bereich der Stahlerzeugung tätig, der rund 20 Milliarden Mark des Konzernumsatzes ausmacht. Krupp-Thyssen ist mit rund 50 Werken weltweit aber auch einer der größten Automobilzulieferer, ein Unternehmensbereich der mittelfistig seinen Umsatz auf 20 Milliarden Mark verdoppeln soll. Aufzüge, Werkzeugmaschinen und Fregatten baut die Sparte Industries, dem dritten industriellen Standbein des Konzerns. Das größte Wachstum soll aber der Bereich Materials and Services bringen, der Handel, Transport und Logistik umfasst. Bis 2003 soll der Umsatz von derzeit 23 auf 35 Milliarden Mark gesteigert werden, vor allem durch Akquisitonen. Als heißester Kandidat gilt das Dusiburger Handelshaus Klöckner.

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